Mittwoch, 4. Januar 2017

4. Schreibnacht im Museum



Ilona
Jutta und Gabi

Wer hätte das gedacht?
Jutta und Gabi sitzen tatsächlich im Eidelstedter Museum, übrigens piekfein in Schale, in dem langersehnten Kindersitz und dem Kinderwagen. Juttas Haare perfekt onduliert.
Ihr Gesicht sprach Bände, als ich reinkam. Hörte noch ihre leise gesprochenen Worte: "Um Gottes Willen!".
Für Juttas Schreck hatte ich Verständnis, weil ich als Puppenmutter nicht besonders pfleglich mit meinen Kindern umgegangen war. Juttas Haare waren von mir so häufig gewaschen worden, dass sich die Perücke gelöst hatte.
Gabi gab mir deutlich zu verstehen, dass auch sie sich den Aufenthalt bei mir nicht zurück wünschte, denn sie hatte meine Verpflegung noch gut in Erinnerung. Abends gab es häufig von mir selbst zubereitete Bratkartoffeln mit Mischkaffee, fein gemust, damit die Portionen auch in den Puppenmund passten. Dabei verlor sie nach und nach ihre oberen Vorderzähne. Die unteren Zähne hatte sie, Gott sei Dank, noch.
Besänftigen konnte ich beide nicht, obwohl ich in ihnen Erinnerungen an unsere wilden Tobereien abends im Bett zu wecken versuchte, die auch ihnen Spaß gemacht hatten.

Selbst das Weihnachtsfest hatte Jutta und Gabi nicht gefallen. Meine Mutter hatte Jutta und Gabi völlig neu mit selbst gestrickten Röcken und Pullovern eingekleidet - sehr schnieke. Als ich beide neu eingekleidet unter dem Tannenbaum entdeckte, war mein Kommentar: "Na, ihr beiden, auch wieder da?" Nicht nur Jutta und Gabi waren beleidigt, auch Mutti.

Den Wunsch meiner Puppentöchter, im Museum zu bleiben, habe ich akzeptiert und sogar verstanden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen