Montag, 20. Februar 2017

Die geheimnisvolle Schachtel



Antje
Die geheimnisvolle Schachtel

Als ich ein kleines Mädchen war, gab es im Schlafzimmer meiner Eltern eine Kommode, in der eine geheimnisvolle Schachtel lag, die mit einem rot-grünen Band verschnürt war.
Diese Schachtel hatte es mir angetan. Ich zog immer wieder die Kommoden-Schublade auf und war beruhigt, wenn die Schachtel noch da war. Das ging einige Jahre so. Eines Tages war die Verschnürung ab, und ich konnte den Karton öffnen. Briefe lagen darin, in deutscher Schrift geschrieben, die ich nicht lesen konnte. Geschrieben in einer gestochenen Schrift und verziert mit gemalten Blumen, Herzchen und Vögeln. Das waren Liebesbriefe!
Meine Mutter hatte mal erzählt, dass sie früher in Eckernförde gearbeitet hatte und dort mit Seminaristen befreundet war. Ich erinnere ein Bild, das sie zwischen einer Gruppe von jungen Frauen und Männern zeigte. Diese Zeit sei die schönste in ihrem Leben gewesen, sagte sie einmal. Das waren Momente, in denen ich meiner Mutter sehr nahe war.
Eines Tages war die Schachtel mit den Briefen verschwunden. Wie so viele Erinnerungsstücke hatte meine Mutter wohl auch diese vernichtet. Ich war sehr traurig darüber und bin es auch heute noch, wenn ich daran denke.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen