Antje
Die geheimnisvolle
Schachtel
Als
ich ein kleines Mädchen war, gab es im Schlafzimmer meiner Eltern eine Kommode,
in der eine geheimnisvolle Schachtel lag, die mit einem rot-grünen Band
verschnürt war.
Diese
Schachtel hatte es mir angetan. Ich zog immer wieder die Kommoden-Schublade auf
und war beruhigt, wenn die Schachtel noch da war. Das ging einige Jahre so.
Eines Tages war die Verschnürung ab, und ich konnte den Karton öffnen. Briefe
lagen darin, in deutscher Schrift geschrieben, die ich nicht lesen konnte. Geschrieben
in einer gestochenen Schrift und verziert mit gemalten Blumen, Herzchen und
Vögeln. Das waren Liebesbriefe!
Meine
Mutter hatte mal erzählt, dass sie früher in Eckernförde gearbeitet hatte und
dort mit Seminaristen befreundet war. Ich erinnere ein Bild, das sie zwischen
einer Gruppe von jungen Frauen und Männern zeigte. Diese Zeit sei die schönste
in ihrem Leben gewesen, sagte sie einmal. Das waren Momente, in denen ich
meiner Mutter sehr nahe war.
Eines
Tages war die Schachtel mit den Briefen verschwunden. Wie so viele
Erinnerungsstücke hatte meine Mutter wohl auch diese vernichtet. Ich war sehr
traurig darüber und bin es auch heute noch, wenn ich daran denke.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen