Freitag, 10. Februar 2017

Meine geerbte, orange Schachtel



Wendula
Meine geerbte, orange Schachtel

Seit mindestens zwei Stunden reden wir über "die Schachtel" - als Wort, als Begriff, als nützlicher Gegenstand. Zugegeben: eigentlich konnte ich damit bis vor wenigen Minuten nicht so recht etwas anfangen. Plötzlich aber fällt mir Folgendes ein: 


1937 stirbt meine Großmutter und mir wird feierlich mitgeteilt:"Du erbst Omis Nähtisch!"
Das finde ich toll und spannend. Der Nähtisch kommt aus Berlin, ein Spediteur bringt ihn in unser kleines Haus und ich kann es kaum erwarten, den Inhalt zu überprüfen. Wunderbar was alles darin zu finden ist. In einem Fach liegen die schönsten Gegenstände. Zum Beispiel eine elfenbeinerne, geschnitzte Eichel zum Auseinanderschrauben, aus gleichem Material eine "grüne Bohne" als Nadeletui, eine gehäkelte rote
Erdbeere mit gelben Perlenkernchen, gefüllt mit Sand um Nadeln zu entrosten, viel Nähseide und diverse Pappschachteln. Deren Inhalt ist unterschiedlich. Da gibt es gewellte Kragenstäbchen, elfenbeinfarbige Gardinenringe, besponnene Wäscheknöpfe, Täfelchen mit Haken und Ösen, Druckknöpfe in verschiedenen Größen und kleine Päckchen mit haarfeinen Nähnadeln. Genau habe ich mir den Inhalt schon länger nicht mehr so richtig angeguckt, aber eine Schachtel kann ich mir ins Gedächtnis rufen. Sie ist circa sieben Zentimeter im Quadrat aus orangefarbener, leichter Pappe und obendrauf ist eine lila Blume. Diese Schachel habe ich immer geliebt, obgleich der Inhalt mir bis heute ein Rätsel geblieben ist. So eine Art halber Messingring und davon ganz viele in verschiedenen Größen, alle etwas verspakt und unangenehm nach Metall riechend.
Was hat meine Großmutter wohl damit gemacht? Aber, dass ich gerade diese Schachtel so gut erinnere, liegt wohl daran, dass meine Brüder bei der jährlichen Weihnachtsgeschenkproduktion genau diese Schachtel wahrscheinlich ganz stolz hergestellt haben und meine Großmutter sie dankbar bewahrt hat. Und ich hüte sie nun seit fast 80 Jahren.

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