Renate
Was ich nicht
wegwerfen kann
Natürlich
machen meine Erinnerungsstücke, Fotoalben und alte Briefe ein Stück
Lebensreichtum aus, die erst mit mir das Zeitliche segnen werden.
Aber
da haust in der Abstellkammer ein sehr dicker Sack mit jahrealter wunderbarer
Strickwolle. Selten, beim Suchen anderer Dinge kommt mir dieser sack unter die
Hände und ich muss ihn einfach öffnen. Viele einzelne Beutel kommen zum
Vorschein, gefüllt mit herrlichen Farben und Fadenarten. Für mich sind sie eine
einzige große Verlockung.
Ich
nehme einzelne Knäule in die Hand; seidig oder weich wie Fell gleiten sie über
die Haut. Spontan fallen mir zu jeder Wundertüte Modelle ein: Ja, so stelle ich
es mir vor, so muss es werden, und die Technik ist kein Problem.
Zu
Hause wurde damals viel gestrickt. Es gab nach dem Krieg gelegentlich grobe
Wolle zu kaufen, oder es wurde Altes aufgeribbelt. Meine Mutter kenne ich des
Abends nicht ohne Strickzeug. bald bekam auch ich Lust dazu, und sie zeigte mir
nach und nach alle Tricks. Die Zeiten wurden besser und das Wollangebot ebenso.
Aus feiner Baumwolle strickten wir um die Wette zartfarbene Spitzenhöschen, aus
Schafwolle dicke Winterpullover, Jacken, Socken, Handschuhe nach eigenen
Entwürfen.
Noch
heute fasziniert mich das Herstellen ganz persönlicher Kunstwerke aus einem
faden. Ideen und Wolle gibt es reichlich, leider nicht die Zeit. Mittlerweile
bin ich eingeübt, beim Lesen oder Fernsehen meine Wolle ganz langsam zu
verarbeiten.
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