Ilona
Die Rote Beete
Jedes
Mal, wenn ich den Kühlschrank öffne, leuchtet sie mir entgegen. Unten, im
Gemüsefach ganz vorne, die Rote Bete, eingerahmt von grünem und gelbem Paprika,
Zwiebeln und zart duftendem Lauchgemüse. Ein Chicorée ist auch dabei. Ich hatte
sie extra gekauft für ein Essen mit einer Freundin, von der ich wusste, dass
sie gerne Rote Bete isst. Ich nicht.
Das
Essen ist ausgefallen, meine Freundin war erkrankt. Nun liegt sie da, die Rote
Bete, und leuchtet mir jedes Mal entgegen. Sie hat schon eine erste Delle
bekommen, altert langsam vor sich hin. Aber ich mag sie nicht. Leider. Was soll
ich tun? Wegwerfen kann ich sie nicht. Ich kann keine Lebensmittel wegwerfen.
Aber essen kann ich sie eben auch nicht. Ich nehme sie in die Hand. So eine
schöne Farbe. Da fällt mir die Rettung ein: Ich lege sie im Treppenhausflur auf
die Fensterbank mit einem Zettel: Wer mich mag, darf mich gerne mitnehmen.
Am
nächsten Tag ist sie fort. An ihrer Stelle befindet sich ein Wildblumenstrauß
in einem Glas Wasser, darunter ein Blatt Papier: Danke für die schöne Rote
Bete. Sie hat wunderbar geschmeckt.
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