Maren
Das Findelkind
Es
war einmal ein Findelkind. Das Kind wurde einst am Rande eines Waldes vor einer
Köhlerhütte von einer fremden Frau in einem
kleinen Weidenkorb ausgesetzt. Die Köhler hatten selbst zehn Kinder, es waren
aber barmherzige Leute, sie nahmen das Kind zu sich ins Haus da sie es nicht
der Kälte und dem Sturm überlassen wollten.
Das
Findelkind wuchs mit seinen Geschwistern auf, dabei behielt es seine besondere
Eigenart. Die Eltern begannen, das Kind zu bevorzugen, da es klug und gehorsam war
und keine Widerworte bei dem ihm aufgetragenen Arbeiten gab. Bei den
Geschwistern war es nicht wohlgelitten, sie begangen es zu ärgern und ihm
Schlimmes anzutun. Es musste die weitestes Wege in den Wald gehen, das
schwerste Holz tragen und beim Essen wurde ihm die kleinste Schüssel
hingestellt. Da das Kind fügsam war, beschwerte es sich nicht und verrichtete
die Arbeiten klaglos. Eines Tages kam ein edler Ritter in die Gegend. In dem
Wirtshaus fragte er nach einem Kind, das nicht zu den Familien in dem Ort
gehörte. Eine Dienstmagd, die im Gasthaus zum Ochsen bediente - dort war der
Ritter abgestiegen - wusste von dem Findelkind der Köhler. Sie berichtete, dass
die Familie sich vor zwölf Jahren eines Findelkindes angenommen hätte und das nun
dort zusammen mit den anderen Geschwistern lebte. Es hieß, es sei ein
besonderes Kind, klüger und schöner als die Köhlerkinder. Es war auch im Dorf
recht beliebt, da es sich besonders der Waisenkinder annahm.
Der
Ritter begab sich zur Köhlerhütte. Er versuchte aus der Kinderschar dieses
besondere Kind zu entdecken. Auf Nachfragen antworteten die Köhlerkinder, dass
es sich bei dem gesuchten Kind um ein Findelkind handele, sicher nicht von
edler Herkunft, außerdem sei es boshaft und faul. Jetzt gerade sei es zur
Strafe in den Wald geschickt worden, um Holz zu holen und Beeren zu sammeln.
Der
Ritter begab sich in den Wald, um das Kind zu suchen. Auf einer Lichtung sah er
ein Kind, es schlief, angelehnt an eine
schwere Holzkiepe, gefüllt mit kleinen Stämmen und Reisig. Es war
schmutzig, der blonde Zopf war mit Ruß
verschwärzt, dennoch erkannte der Ritter in ihm die Ähnlichkeit mit seiner
Schwester, der Mutter dieses Kindes. „Erschrick nicht, mein Kind“, sagte er,
als das Kind erwachte und ihn ängstlich anschaute. „Ich habe dich lange Zeit
gesucht und jetzt gefunden. Nun bin ich gekommen, um dich heimzuholen. Du bist
vor zwölf Jahren aus der Burg unserer Familie von Landstreichern geraubt
worden, deine Mutter ist in ein tiefes Leid gefallen. Sie hat nie wieder ein
Wort gesprochen. Jetzt wird alles wieder
gut.“ Er nahm das Kind, setzte es vor sich in den Sattel und ritt mit ihm aus
dem Wald. Die Köhlerfamilie war beschämt, das Kind aber sagte:“Ich danke euch,
dass ihr mich aufgenommen habt. Jetzt werde ich meine richtige Familie
wiederfinden. Habt noch mal Dank und teilt die Gaben, die ich euch schicken
werde, mit den Waisenkindern im Dorf.“ Nach diesen großherzigen Worten ritt der
Ritter mit dem Kind davon. Sie erreichten nach fünf Tagen die Burg, das
Wiedersehensfest soll drei Wochen gedauert haben.
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