Donnerstag, 2. November 2017

Das Findelkind



Maren
Das Findelkind

Es war einmal ein Findelkind. Das Kind wurde einst am Rande eines Waldes vor einer Köhlerhütte von einer  fremden Frau in einem kleinen Weidenkorb ausgesetzt. Die Köhler hatten selbst zehn Kinder, es waren aber barmherzige Leute, sie nahmen das Kind zu sich ins Haus da sie es nicht der Kälte und dem Sturm überlassen wollten.
Das Findelkind wuchs mit seinen Geschwistern auf, dabei behielt es seine besondere Eigenart. Die Eltern begannen, das Kind zu bevorzugen, da es klug und gehorsam war und keine Widerworte bei dem ihm aufgetragenen Arbeiten gab. Bei den Geschwistern war es nicht wohlgelitten, sie begangen es zu ärgern und ihm Schlimmes anzutun. Es musste die weitestes Wege in den Wald gehen, das schwerste Holz tragen und beim Essen wurde ihm die kleinste Schüssel hingestellt. Da das Kind fügsam war, beschwerte es sich nicht und verrichtete die Arbeiten klaglos. Eines Tages kam ein edler Ritter in die Gegend. In dem Wirtshaus fragte er nach einem Kind, das nicht zu den Familien in dem Ort gehörte. Eine Dienstmagd, die im Gasthaus zum Ochsen bediente - dort war der Ritter abgestiegen - wusste von dem Findelkind der Köhler. Sie berichtete, dass die Familie sich vor zwölf Jahren eines Findelkindes angenommen hätte und das nun dort zusammen mit den anderen Geschwistern lebte. Es hieß, es sei ein besonderes Kind, klüger und schöner als die Köhlerkinder. Es war auch im Dorf recht beliebt, da es sich besonders der Waisenkinder annahm.
Der Ritter begab sich zur Köhlerhütte. Er versuchte aus der Kinderschar dieses besondere Kind zu entdecken. Auf Nachfragen antworteten die Köhlerkinder, dass es sich bei dem gesuchten Kind um ein Findelkind handele, sicher nicht von edler Herkunft, außerdem sei es boshaft und faul. Jetzt gerade sei es zur Strafe in den Wald geschickt worden, um Holz zu holen und Beeren zu sammeln.
Der Ritter begab sich in den Wald, um das Kind zu suchen. Auf einer Lichtung sah er ein Kind, es schlief, angelehnt an eine  schwere Holzkiepe, gefüllt mit kleinen Stämmen und Reisig. Es war schmutzig, der blonde Zopf  war mit Ruß verschwärzt, dennoch erkannte der Ritter in ihm die Ähnlichkeit mit seiner Schwester, der Mutter dieses Kindes. „Erschrick nicht, mein Kind“, sagte er, als das Kind erwachte und ihn ängstlich anschaute. „Ich habe dich lange Zeit gesucht und jetzt gefunden. Nun bin ich gekommen, um dich heimzuholen. Du bist vor zwölf Jahren aus der Burg unserer Familie von Landstreichern geraubt worden, deine Mutter ist in ein tiefes Leid gefallen. Sie hat nie wieder ein Wort gesprochen. Jetzt  wird alles wieder gut.“ Er nahm das Kind, setzte es vor sich in den Sattel und ritt mit ihm aus dem Wald. Die Köhlerfamilie war beschämt, das Kind aber sagte:“Ich danke euch, dass ihr mich aufgenommen habt. Jetzt werde ich meine richtige Familie wiederfinden. Habt noch mal Dank und teilt die Gaben, die ich euch schicken werde, mit den Waisenkindern im Dorf.“ Nach diesen großherzigen Worten ritt der Ritter mit dem Kind davon. Sie erreichten nach fünf Tagen die Burg, das Wiedersehensfest soll drei Wochen gedauert haben.

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