Samstag, 18. November 2017

Märchen vom Märchen



Ursula
Märchen vom Märchen

Es war einmal eine junge Frau. Sie war wunderschön, hatte wallendes schwarzes Haar, einen wohlgeformten roten Mund und makellos reine Haut. Schon kurz nach ihrer Geburt hatten sich in ihrer Familie Probleme eingestellt, die zu Streitereien und gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt hatten. Besonders die zweite Frau ihres Vaters drangsalierte das kleine Mädchen auf unglaubliche Weise. Die Familienfürsorge verbrachte es daraufhin in eine besondere Wohngemeinschaft. Weit vor den Toren der Stadt, mitten im Wald lebte sie von nun an mit sieben männlichen Betreuern. Für ihr leibliches Wohl wurde mit aller Liebe gesorgt. Sie hatte ein gemütliches warmes Zuhause. Das Essen, täglich frisch zubereitet, bestand aus regionalen, biologisch angebauten Produkten und schmeckte äußerst lecker. An alles war gedacht, aber es war todlangweilig. Die Tage flossen träge dahin ohne besondere Ereignisse, gleichmäßig und langsam.
Eines Tages summte die Türglocke des alten gemütlichen Hauses. Die junge Schöne öffnete die Tür. Vor ihr stand ein sehr sympathischer Mann. Er bot ihr wortreich, versetzt mit viel Lob über ihr Aussehen, exotische Früchte an. Kiwis, Ananas, Papaya, Kumquat, Maracuja und Mango wechselten den Besitzer. Die junge Frau war von dem unbekannten Obst so beeindruckt, dass sie sofort zu essen begann. Nach der süßen schmackhaften Mango wanderte die säuerliche Kiwi in den Mund. Aber, oh Schreck, dieses Obst blieb ihr buchstäblich im Halse stecken. Ihr hochsensibler Körper reagierte mit einem Schock auf das fernöstliche Beerenobst und dem darin enthaltenen Unkrautvernichter. Sie rang nach Luft und fiel ohnmächtig auf den Stufen ihres Hauses zusammen. Der Verkäufer suchte mit seinem Pestizid verseuchtem Obst in Panik das Weite. Zufällig kam Dr. Prinz, der stets ein Allergie-Notfallpäckchen in seiner Tasche verwahrte, vorbei und rettete ihr Leben.
Am Abend tanzten sieben überglückliche Betreuer.

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