Ursula
Märchen vom Märchen
Es
war einmal eine junge Frau. Sie war wunderschön, hatte wallendes schwarzes
Haar, einen wohlgeformten roten Mund und makellos reine Haut. Schon kurz nach
ihrer Geburt hatten sich in ihrer Familie Probleme eingestellt, die zu
Streitereien und gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt hatten. Besonders
die zweite Frau ihres Vaters drangsalierte das kleine Mädchen auf unglaubliche
Weise. Die Familienfürsorge verbrachte es daraufhin in eine besondere
Wohngemeinschaft. Weit vor den Toren der Stadt, mitten im Wald lebte sie von
nun an mit sieben männlichen Betreuern. Für ihr leibliches Wohl wurde mit aller
Liebe gesorgt. Sie hatte ein gemütliches warmes Zuhause. Das Essen, täglich
frisch zubereitet, bestand aus regionalen, biologisch angebauten Produkten und
schmeckte äußerst lecker. An alles war gedacht, aber es war todlangweilig. Die
Tage flossen träge dahin ohne besondere Ereignisse, gleichmäßig und langsam.
Eines
Tages summte die Türglocke des alten gemütlichen Hauses. Die junge Schöne
öffnete die Tür. Vor ihr stand ein sehr sympathischer Mann. Er bot ihr
wortreich, versetzt mit viel Lob über ihr Aussehen, exotische Früchte an. Kiwis,
Ananas, Papaya, Kumquat, Maracuja und Mango wechselten den Besitzer. Die junge
Frau war von dem unbekannten Obst so beeindruckt, dass sie sofort zu essen
begann. Nach der süßen schmackhaften Mango wanderte die säuerliche Kiwi in den
Mund. Aber, oh Schreck, dieses Obst blieb ihr buchstäblich im Halse stecken.
Ihr hochsensibler Körper reagierte mit einem Schock auf das fernöstliche Beerenobst
und dem darin enthaltenen Unkrautvernichter. Sie rang nach Luft und fiel
ohnmächtig auf den Stufen ihres Hauses zusammen. Der Verkäufer suchte mit
seinem Pestizid verseuchtem Obst in Panik das Weite. Zufällig kam Dr. Prinz,
der stets ein Allergie-Notfallpäckchen in seiner Tasche verwahrte, vorbei und
rettete ihr Leben.
Am Abend tanzten sieben
überglückliche Betreuer.
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