Ilse
Wie der Angsthase
zum Muthasen wurde
Der
kleine Hase saß mit seinen Geschwistern in der Sasse und wartete darauf, dass
die Mutter kam, um ihre Kinder zu säugen. Er schaute den anderen kleinen Hasen
zu, die schon nach wenigen Tagen über den Rand der Hasenkuhle schauten und ihre
Nasen schnuppernd hinaus in die fremde, unbekannte Welt steckten. Der kleine
Hase blieb geduckt sitzen. Er traute sich nicht, von seinem warmen Platz weg zu
gehen. Seine Geschwister wagten die ersten Schritte hinaus auf die Wiese. Sie
erzählten ihm von den duftenden Kräutern, die sie dort fanden und wie lecker
sie schmeckten. Der kleine Hase rührte sich nicht vom Fleck. Er befürchtete, er
könnte den Weg in die vertraute Sasse nicht wieder finden, wenn er sie
verließe.
Jeden
Tag fühlte er sich einsamer. Die anderen kleinen Hasen blieben immer länger
weg. Die Mutter kam nur ein Mal in der Nacht und ließ ihre Kinder an den Zitzen
saugen. Dann konnte der kleine Hase ihre Wärme und die gute Hasenmilch
genießen.
Eines
Tages erschien die Mutter gar nicht mehr. Die Geschwister des kleinen Hasen
schauten nur noch selten vorbei. Wenn sie kamen, berichteten sie von ihren
Abenteuern auf der Wiese und dem köstlichen Löwenzahn, der ihre Mägen füllte.
Am Abend, so erzählten sie, träfen sie die Mutter am Wiesenrand, die sie dort
fütterte.
Dem
kleinen Hasen knurrte der Magen, als er das hörte. Er fasste sich ein Herz. Was
die großen Brüder und Schwestern konnten, müsste er doch auch schaffen.
Vorsichtig näherte er sich am nächsten Morgen dem Rand der Sasse, spitzte seine
langen Ohren und schnupperte in die Luft. Die war rein und nichts
Beängstigendes war zu hören. Über ihm strahlte der blaue Himmel und die Sonne
ließ viele gelbe Blumen in dem Grün um ihn herum leuchten. Wie ein Magnet zogen
sie ihn an. Er fraß eine Blüte nach der anderen. Immer weiter entfernte er sich
von seinem Zuhause. Die Angst, die ihn bislang so gelähmt hatte und die Furcht,
die Sasse nicht wieder zu finden, war vergessen. Der kleine Hase sprang und
hüpfte hin und her und er spürte in sich eine Lust, viel mehr von dieser Welt
zu entdecken. Sicher begegneten ihm an diesem besonderen Tag auch seine Mutter
und die Geschwister.
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