Sonntag, 24. Dezember 2017

Fein Wiehnachten



Valerie
Fein Wiehnachten

Die Nacht auf Weihnachten ist keine schöne für Anne und Hanne. Sie weinen viel. Denn sie haben zwar eine Tanne mit goldenen Kugeln und Lametta und Lichterglanz und auch Wein in Fülle, aber keinen Festtagsbraten. Denn die Henne, die sie haben schlachten und knusprig braten wollen, die hat der Hai gefressen, der in einem Teich hinten bei ihrem Haus wohnt. Eigentlich ist er zahm; frei von bösen Taten. So gab es nie eine Veranlassung, Wache zu halten. Aber in den letzten Tagen waren sie so damit beschäftigt, Geschenke zu nähen für arme Waisenkinder in Wien, dass sie darüber vergessen haben, den Hai zu füttern, wofür sie doch extra einen kleinen Nachen angeschafft haben, um auf dem Teich fahren zu können. Ach, die Tanten haben sie immer gewarnt: „Gebt Acht auf den Hai!“. Aber sie lieben ihn doch, ihren kleinen süßen Tachi, wie er zärtlich von ihnen gerufen wird. Sollen sie ihn etwa ächten? Nein, auch er gehört zur weiten Schöpfung Gottes! Nun fühlen sie sich wie zwei dumme hungrige Nieten. Und es naht ihnen keine Weihnacht in diesem Jahr, so ganz ohne Festtagsbraten. Ein Wunder müsste geschehen. Und es geschieht ein Wunder. Hein Fiete pocht an die Haustür und hat einen schon gebratenen, saftigen, wunderbar duftenden Hahn in der Hand und sagt:  „Tach auch, die Damen! Und: Fein Wiehnachten!“

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