Valerie
Fein Wiehnachten
Die Nacht auf Weihnachten ist keine schöne für Anne und Hanne. Sie weinen viel. Denn sie haben zwar eine Tanne mit goldenen Kugeln und Lametta
und Lichterglanz und auch Wein in
Fülle, aber keinen Festtagsbraten. Denn die Henne, die sie haben schlachten und knusprig braten wollen, die hat
der Hai gefressen, der in einem Teich hinten bei ihrem Haus wohnt.
Eigentlich ist er zahm; frei von bösen Taten.
So gab es nie eine Veranlassung, Wache
zu halten. Aber in den letzten Tagen
waren sie so damit beschäftigt, Geschenke zu nähen für arme Waisenkinder in Wien,
dass sie darüber vergessen haben, den Hai zu füttern, wofür sie doch extra einen kleinen Nachen angeschafft haben, um auf dem Teich fahren zu können. Ach, die Tanten haben sie immer
gewarnt: „Gebt Acht auf den Hai!“. Aber
sie lieben ihn doch, ihren kleinen süßen
Tachi, wie er zärtlich von ihnen
gerufen wird. Sollen sie ihn etwa ächten?
Nein, auch er gehört zur weiten Schöpfung Gottes! Nun fühlen sie
sich wie zwei dumme hungrige Nieten.
Und es naht ihnen keine Weihnacht in diesem Jahr, so ganz ohne
Festtagsbraten. Ein Wunder müsste geschehen. Und es geschieht ein Wunder. Hein Fiete pocht an die Haustür und hat
einen schon gebratenen, saftigen, wunderbar duftenden Hahn in der Hand und sagt: „Tach auch, die Damen! Und: Fein Wiehnachten!“
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