Donnerstag, 22. Februar 2018

Das schneebedeckte Feld



Maren
Das schneebedeckte Feld

Der Zug sollte um 23 Uhr im Bahnhof einlaufen. Der Bahnhof des kleinen Ortes lag bereits im tiefen Schlaf, eingehüllt in eine dicke weiße Winterdecke. Wir waren zu dritt und warteten auf unseren Freund, der verspätet zu unserer Feier im zwei Kilometer entfernten Ferienhaus dazu kommen sollte. Die Nacht war eisig, wir waren in Jacken und Hosen dick verpackt, dennoch begannen wir zu frieren. Hinzu kam eine Zugverspätung. Unser Wärmedepot war fast leer, als der Zug kurz vor Mitternacht endlich den Bahnhof erreichte. Das Wiedersehen wurde durch einen warmen Tee mit Rum gekrönt, den der Freund in einer Thermoskanne  vorrausschauend mitgebracht hatte. Der Weg zu unserem Haus führte zuerst am Waldrand entlang, dann tat sich vor uns ein großes weites schneebedecktes Feld auf. Der eisige hartgefrorene Schnee knirschte unter den Sohlen. Mir drängte sich ein Liedvers auf, dass mich an eine kürzlich erlebte weihnachtliche Liedertafel erinnerte.  „Übers schneebedeckte Feld, wandern wir durch die weite weiße Welt“. Verrückt, nichts lag jetzt ferner, als ein Lied zu singen. Es galt, sicher über den Schnee zu gehen und das Haus unbeschadet zu erreichen. Doch immer wieder schob sich der Vers in meine Gedanken, bis ich nicht widerstehen konnte und laut mit meiner glockenhellen Stimme dieses Lied sang. Meine Freunde hielten im Gehen ein, lachten und stimmten dann in den Gesang ein.  Nun wanderten wir gemeinsam laut singend übers schneebedeckte Feld. Der Mond gab der Kulisse die nötige Beleuchtung. Ihm gefiel die Sache. Tausend kleine Schneekristalle ließ er hell funkeln. Als wir uns unserem Haus näherten, war es, als würden wir eine Märchenwelt verlassen.

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