Donnerstag, 22. Februar 2018

Februarnacht in Schweden



Ilse
Februarnacht in Schweden

Schon seit Tagen war es eiskalt. Zuvor war Schnee gefallen. Eine dicke Schneedecke bedeckte das Land. Nachts fiel das Thermometer auf minus fünfundzwanzig, tagsüber kletterte es auf plus vier Grad.
Es war früh dunkel geworden. Wir saßen beim Abendessen am Tisch. Unsere Augen konnten von der Welt draußen nichts erkennen. Nur ein matter Lichtschein, der durch das Fenster fiel, ließ den Schnee darunter etwas leuchten. Undurchdringlich wirkte das Dunkel ringsum.Aus der Ferne funkelte ab und zu ein heller Stern. Plötzlich entdeckten wir ein merkwürdiges Leuchten am Nachthimmel. Es erregte unsere Aufmerksamkeit, weil es in ungewöhnlichen Farben am Horizont erschien. Blaue und grüne  Streifen bewegten sich wie lebendige Nebelstreifen hin und her, kamen näher und zogen sich zurück. Dieses Licht - welch ungewöhnliche Erscheinung!
Schnell hatten wir uns in unsere dicke Winterbekleidung fest eingemummelt, löschten das Licht im Haus und gingen bewaffnet mit Taschenlampen hinaus in die Nacht. Sie sollten uns draußen bei Bedarf den Weg weisen.
Die bunten Schwaden am Himmel wurden größer und wilder. Wie Geister waberten sie am Himmel, tanzten immer neue Choreografien. Dabei veränderten sie ihre Farbe, wurden heller und leuchtender durch den Einfluss von Gelb- und Rottönen.
Wir standen fest umarmt unter dem weiten Himmelszelt und konnten den Blick nicht von dieser zuvor noch nie gesehenen Erscheinung wenden. Ganz still schauten wir  nach oben. Nur  flüsternd teilten wir uns gegenseitig unser Erstaunen und unsere Begeisterung mit.
Die klirrende Kälte spürten wir in diesem erhabenen Moment nicht. Das Nordlicht hatte uns in seinen Bann gezogen.
Wie lange wir so standen, weiß ich nicht. Irgendwann verschwanden die farbigen Geister der Nacht und wir kehrten in die Wärme des Hauses zurück.
Die größte Überraschung für uns war, dass das Nordlicht auch am nächsten Abend erschien und am dritten Abend kam es wieder. Welch ein unerwartetes Glück!

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