Ilse
Februarnacht in
Schweden
Schon
seit Tagen war es eiskalt. Zuvor war Schnee gefallen. Eine dicke Schneedecke
bedeckte das Land. Nachts fiel das Thermometer auf minus fünfundzwanzig,
tagsüber kletterte es auf plus vier Grad.
Es
war früh dunkel geworden. Wir saßen beim Abendessen am Tisch. Unsere Augen
konnten von der Welt draußen nichts erkennen. Nur ein matter Lichtschein, der
durch das Fenster fiel, ließ den Schnee darunter etwas leuchten.
Undurchdringlich wirkte das Dunkel ringsum.Aus der Ferne funkelte ab und zu ein
heller Stern. Plötzlich entdeckten wir ein merkwürdiges Leuchten am
Nachthimmel. Es erregte unsere Aufmerksamkeit, weil es in ungewöhnlichen Farben
am Horizont erschien. Blaue und grüne
Streifen bewegten sich wie lebendige Nebelstreifen hin und her, kamen
näher und zogen sich zurück. Dieses Licht - welch ungewöhnliche Erscheinung!
Schnell
hatten wir uns in unsere dicke Winterbekleidung fest eingemummelt, löschten das
Licht im Haus und gingen bewaffnet mit Taschenlampen hinaus in die Nacht. Sie
sollten uns draußen bei Bedarf den Weg weisen.
Die
bunten Schwaden am Himmel wurden größer und wilder. Wie Geister waberten sie am
Himmel, tanzten immer neue Choreografien. Dabei veränderten sie ihre Farbe,
wurden heller und leuchtender durch den Einfluss von Gelb- und Rottönen.
Wir
standen fest umarmt unter dem weiten Himmelszelt und konnten den Blick nicht
von dieser zuvor noch nie gesehenen Erscheinung wenden. Ganz still schauten
wir nach oben. Nur flüsternd teilten wir uns gegenseitig unser
Erstaunen und unsere Begeisterung mit.
Die
klirrende Kälte spürten wir in diesem erhabenen Moment nicht. Das Nordlicht
hatte uns in seinen Bann gezogen.
Wie
lange wir so standen, weiß ich nicht. Irgendwann verschwanden die farbigen
Geister der Nacht und wir kehrten in die Wärme des Hauses zurück.
Die
größte Überraschung für uns war, dass das Nordlicht auch am nächsten Abend
erschien und am dritten Abend kam es wieder. Welch ein unerwartetes Glück!
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