Valerie
Wie es
weiterging mit den Bremer Stadtmusikanten …
Schon kurze Zeit
nachdem die vier - Esel, Hund, Katze und Hahn - zusammen wohnten, tauchten
ernste Probleme auf.
Das erste Problem
entzündete sich an der Katze. Dem Esel gefiel es nicht, dass sie ihre toten
Mäuse im Haus in der Küche ablegte. Sie fing zwar nicht mehr oft Mäuse, aber
dann und wann gelang es ihr bei einem altersschwachen Mäuseexemplar dann doch.
Noch ärgerlicher aber war, dass sie nachts laut maunzend durch die Wiesen
streifte und auch aufs Dach schlich und liebeshungrige Kater anlockte. Das
Leben im Haus hatte sie anscheinend verjüngt, so dass sie an diesen Turbulenzen
wieder Gefallen fand.
Der Hahn ärgerte
sich darüber beträchtlich, denn das Dach
gehörte schließlich ihm. Das Liebesgestöhne und -gekreische, das bis in die
morgendliche Dämmerung anhielt, störte nicht nur, sondern übertönte sein
morgendliches Kikeriki. Das wollte er sich nicht ungestraft bieten lassen, war
er, wenn auch alt, so doch ein stolzer Hahn.
Er bat daher den
Esel um Hilfe. Der berief auch sofort für alle eine Versammlung ein, auf der er
ausführlich erklärte, was jedes Tier tun dürfe und was nicht.
Der Esel,
gekränkt in seiner Eselsehre, duldete keine Widerrede. Er beschwor mit großen
pathetischen Worten ein friedliches Miteinander. Alle nickten dazu, nicht weil
sie überzeugt waren, sondern weil sie keine Lust mehr auf die Versammlung
hatten. Doch die Probleme waren damit natürlich nicht gelöst. Sie schwelten
weiter. Und es kehrte kein Frieden ein.
Eines Tages
fehlte der Hund am Frühstückstisch. Auch in den nächsten Tagen ließ er sich
nicht blicken. Man erfuhr, so nach und nach, dass er sich mit anderen Hunden
zusammengeschlossen hatte und sie fröhlich bellend zusammenlebten. Schon kurz
danach war auch die Katze verschwunden. Es wurde gemunkelt, sie sei mit einem
liebestollen Kater getürmt. Der Hahn, alt wie er war, verschied eines Tages,
kurz vor Tagesanbruch, noch ehe er sein Kikeriki in die Welt hatte hinaus
senden können. Er fiel vom Dach, direkt dem Esel vor die Hufe.
Der Esel,
verlassen von allen, betet nun jeden Morgen allein sein I-Ah und bittet den
Großen Eselsgott flehentlich um passende, weniger ignorante Gefährten.
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