Sonntag, 25. November 2018

Wie es weiterging mit den Bremer Stadtmusikanten


Valerie
Wie es  weiterging mit den Bremer Stadtmusikanten …

Schon kurze Zeit nachdem die vier - Esel, Hund, Katze und Hahn - zusammen wohnten, tauchten ernste Probleme auf.
Das erste Problem entzündete sich an der Katze. Dem Esel gefiel es nicht, dass sie ihre toten Mäuse im Haus in der Küche ablegte. Sie fing zwar nicht mehr oft Mäuse, aber dann und wann gelang es ihr bei einem altersschwachen Mäuseexemplar dann doch. Noch ärgerlicher aber war, dass sie nachts laut maunzend durch die Wiesen streifte und auch aufs Dach schlich und liebeshungrige Kater anlockte. Das Leben im Haus hatte sie anscheinend verjüngt, so dass sie an diesen Turbulenzen wieder Gefallen fand.
Der Hahn ärgerte sich darüber beträchtlich, denn  das Dach gehörte schließlich ihm. Das Liebesgestöhne und -gekreische, das bis in die morgendliche Dämmerung anhielt, störte nicht nur, sondern übertönte sein morgendliches Kikeriki. Das wollte er sich nicht ungestraft bieten lassen, war er, wenn auch alt, so doch ein stolzer Hahn.
Er bat daher den Esel um Hilfe. Der berief auch sofort für alle eine Versammlung ein, auf der er ausführlich erklärte, was jedes Tier tun dürfe und was nicht.
Das aber brachte den Jagdhund auf die Palme. Er hatte beim Förster gewohnt, abends ferngesehen und daher so einiges von der Welt und wie es in ihr ablief, mitbekommen. So hatte er auch von Demokratie, insbesondere von Basis-Demokratie, gehört, denn der Sohn des Försters war Mitglied bei den Grünen. Er war nicht gewillt, das selbstherrliche, autoritäre Gebaren des Esels hinzunehmen. Die anderen hatten von solchen  Dingen noch nie etwas vernommen und argwöhnten, dass der Hund sich das alles nur ausgedacht habe.
Der Esel, gekränkt in seiner Eselsehre, duldete keine Widerrede. Er beschwor mit großen pathetischen Worten ein friedliches Miteinander. Alle nickten dazu, nicht weil sie überzeugt waren, sondern weil sie keine Lust mehr auf die Versammlung hatten. Doch die Probleme waren damit natürlich nicht gelöst. Sie schwelten weiter. Und es kehrte kein Frieden ein.
Eines Tages fehlte der Hund am Frühstückstisch. Auch in den nächsten Tagen ließ er sich nicht blicken. Man erfuhr, so nach und nach, dass er sich mit anderen Hunden zusammengeschlossen hatte und sie fröhlich bellend zusammenlebten. Schon kurz danach war auch die Katze verschwunden. Es wurde gemunkelt, sie sei mit einem liebestollen Kater getürmt. Der Hahn, alt wie er war, verschied eines Tages, kurz vor Tagesanbruch, noch ehe er sein Kikeriki in die Welt hatte hinaus senden können. Er fiel vom Dach, direkt dem Esel vor die Hufe.
Der Esel, verlassen von allen, betet nun jeden Morgen allein sein I-Ah und bittet den Großen Eselsgott flehentlich um passende, weniger ignorante Gefährten.



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