Ilse
Unerwarteter Besuch
Ich
hatte mich nach dem Kaffee gerade gemütlich in den Schaukelstuhl gesetzt, als
plötzlich ein kleiner Affe auf meinen Schoß sprang, ein Tier nicht viel größer
als der Kuschelaffe meiner Tochter. Erschrocken ließ ich mein Buch fallen.
Nicht aus Angst vor dem quicklebendigem Wesen, aber dieser unerwartete Gast hat
mich überrascht. Mit seinen großen, kugelrunden, braunen Augen betrachtete mich
der Affe neugierig. Er fasste nach meinen Händen und drehte sie hin und her als
suche er nach irgendetwas. „Ob das Tier wohl daran gewöhnt ist aus Menschenhand
gefüttert zu werden?“, schoss es mir durch den Kopf. Ich sprach den Affen
darauf an und merkte wie er aufmerksam meinen Worten lauschte. Er schien etwas
zu suchen, denn nun kontrollierte er meine Hosentaschen und griff unter den
Kragen meiner Bluse. Selbstverständlich trage ich nichts Essbares an diesen
Stellen meiner Kleidung. Mir wurde etwas mulmig. Deshalb bot ich dem Affen an,
mit mir in die Küche zu gehen. Er schien mich zu verstehen. Schon sprang er von
meinem Schoß und sein Blick forderte
mich auf, ihm den Weg zu zeigen. In der Obstschale lag eine Hand Bananen. Wie
magisch angezogen folgte der kleine Affe dem süßen Duft, den die gelben Früchte
verströmten. Schon saß er auf der Arbeitsfläche meines Küchenmobiliars. Bevor
das Tier mit allen Bananen davonspringen konnte, hatte ich zugefasst und eine
Frucht abgetrennt. Die reichte ich dem kleinen Affen. In Windeseile begann der
nun die Schale zu entfernen und das Innenleben der Banane zu verspeisen. Dann
sagte mir sein Blick: „Ich will mehr!“ Erst als alle Früchte vertilgt waren,
verschwand das kleine Tier so plötzlich wie es erschienen war. Nur die leeren
Bananenschalen auf meinem Küchenfußboden zeugten von diesem unerwarteten
Besuch.
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