Montag, 24. Dezember 2018

Unerwarteter Besuch


Ilse
Unerwarteter Besuch

Ich hatte mich nach dem Kaffee gerade gemütlich in den Schaukelstuhl gesetzt, als plötzlich ein kleiner Affe auf meinen Schoß sprang, ein Tier nicht viel größer als der Kuschelaffe meiner Tochter. Erschrocken ließ ich mein Buch fallen. Nicht aus Angst vor dem quicklebendigem Wesen, aber dieser unerwartete Gast hat mich überrascht. Mit seinen großen, kugelrunden, braunen Augen betrachtete mich der Affe neugierig. Er fasste nach meinen Händen und drehte sie hin und her als suche er nach irgendetwas. „Ob das Tier wohl daran gewöhnt ist aus Menschenhand gefüttert zu werden?“, schoss es mir durch den Kopf. Ich sprach den Affen darauf an und merkte wie er aufmerksam meinen Worten lauschte. Er schien etwas zu suchen, denn nun kontrollierte er meine Hosentaschen und griff unter den Kragen meiner Bluse. Selbstverständlich trage ich nichts Essbares an diesen Stellen meiner Kleidung. Mir wurde etwas mulmig. Deshalb bot ich dem Affen an, mit mir in die Küche zu gehen. Er schien mich zu verstehen. Schon sprang er von meinem Schoß  und sein Blick forderte mich auf, ihm den Weg zu zeigen. In der Obstschale lag eine Hand Bananen. Wie magisch angezogen folgte der kleine Affe dem süßen Duft, den die gelben Früchte verströmten. Schon saß er auf der Arbeitsfläche meines Küchenmobiliars. Bevor das Tier mit allen Bananen davonspringen konnte, hatte ich zugefasst und eine Frucht abgetrennt. Die reichte ich dem kleinen Affen. In Windeseile begann der nun die Schale zu entfernen und das Innenleben der Banane zu verspeisen. Dann sagte mir sein Blick: „Ich will mehr!“ Erst als alle Früchte vertilgt waren, verschwand das kleine Tier so plötzlich wie es erschienen war. Nur die leeren Bananenschalen auf meinem Küchenfußboden zeugten von diesem unerwarteten Besuch.

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