Valerie
Der Lottoschein
Sie
schaltete den Fernseher ein. Nach den Nachrichten wartete sie gespannt auf die
Lottozahlen. Sie wusste ihre Zahlen auswendig, denn sie tippte seit Jahren
immer dieselben. Ruhig sah sie zu, wie die Kugeln in der Trommel hin und her
geworfen wurden und mit einem Flop die erste heraussprang. Es war die 3. Die
hatte sie. Sie zupfte ein welkes Blatt an ihrem Alpenveilchen ab. Dann hörte
sie die Stimme der Sprecherin. Die nächste Zahl war die 5. Die hatte sie auch.
Schnell ging sie in die Küche, holte sich ein Glas Wasser und eine Tüte Salzstangen. Aus dem Nebenzimmer vernahm sie
die Zahlen 17 und 21. Auch die hatte sie. Jetzt wurde sie nervös. Sie lief zurück ins Wohnzimmer. Ihr Herz
klopfte bis zum Hals. 4 Richtige waren das. Was würde als nächste Zahl kommen? Und wo war ihr Tippzettel? Wo hatte
sie den hingelegt? Im Portemonnaie war er nicht. Sie suchte fieberhaft in ihrer
Handtasche. Schweißnass war sie. Ihr Herz hämmerte. Alle Zahlen waren
inzwischen durch und das Abendprogramm hatte angefangen. Vor lauter Aufregung
hatte sie die weiteren Zahlen nicht mitbekommen. Sie eilte zur Garderobe im
Flur, suchte mit zittrigen Händen in ihrem Mantel und auch in ihrer Regenjacke,
zuletzt schüttete sie, schon in Panik, in der Küche den Ascheimer auf dem Boden aus und richtete ein Chaos
an. Aber auch da war der Schein nicht. Erschöpft ließ sie sich auf die Couch
fallen und weinte haltlos. Sie fingerte, vor Tränen blind, nach den auf dem
Tisch liegenden Taschentüchern und da hielt sie ihn in der Hand, den Tippschein.
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