Montag, 28. Januar 2019

Der Lottoschein


Valerie
Der Lottoschein 

Sie schaltete den Fernseher ein. Nach den Nachrichten wartete sie gespannt auf die Lottozahlen. Sie wusste ihre Zahlen auswendig, denn sie tippte seit Jahren immer dieselben. Ruhig sah sie zu, wie die Kugeln in der Trommel hin und her geworfen wurden und mit einem Flop die erste heraussprang. Es war die 3. Die hatte sie. Sie zupfte ein welkes Blatt an ihrem Alpenveilchen ab. Dann hörte sie die Stimme der Sprecherin. Die nächste Zahl war die 5. Die hatte sie auch. Schnell ging sie in die Küche, holte sich ein Glas Wasser und eine Tüte  Salzstangen. Aus dem Nebenzimmer vernahm sie die Zahlen 17 und 21. Auch die hatte sie. Jetzt wurde sie nervös.  Sie lief zurück ins Wohnzimmer. Ihr Herz klopfte bis zum Hals. 4 Richtige waren das. Was würde als nächste Zahl  kommen? Und wo war ihr Tippzettel? Wo hatte sie den hingelegt? Im Portemonnaie war er nicht. Sie suchte fieberhaft in ihrer Handtasche. Schweißnass war sie. Ihr Herz hämmerte. Alle Zahlen waren inzwischen durch und das Abendprogramm hatte angefangen. Vor lauter Aufregung hatte sie die weiteren Zahlen nicht mitbekommen. Sie eilte zur Garderobe im Flur, suchte mit zittrigen Händen in ihrem Mantel und auch in ihrer Regenjacke, zuletzt schüttete sie, schon in Panik, in der Küche den Ascheimer auf dem Boden aus und richtete ein Chaos an. Aber auch da war der Schein nicht. Erschöpft ließ sie sich auf die Couch fallen und weinte haltlos. Sie fingerte, vor Tränen blind, nach den auf dem Tisch liegenden Taschentüchern und da hielt sie ihn in der Hand, den Tippschein.

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