Ilse
Nachtstille
Der
Wind hat sich gelegt. Es scheint mucksmäuschenstill zu sein. Doch unsere Ohren
lassen sich nicht täuschen.
Weit entfernt zieht ein Satellit am Himmel geräuschlos
seine Bahn. Dann ist ein leichtes Brummen zu hören. Die weit strahlenden
Lichter eines Flugzeuges tauchen auf und mit dem Blinken der Positionslichter
verschwindet es in der Dunkelheit. Unter unseren Füßen knirscht der Kies. Laut
knackend reiben sich die kleinen Steine
aneinander. Stille, wenn wir stehen bleiben und in die Nacht lauschen. Ein
Brechen von Zweigen verrät, dass jemand im nahen Wald unterwegs ist. Es muss
ein großes Tier, vielleicht ein Elch sein, denn jeder Tritt tönt laut und
schwer herüber, bis die Schritte in der Ferne verschwinden. Ein lautes Fiepen
verrät die Anwesenheit des Käuzchens ganz in der Nähe. Der kleine Vogel hockt
in einem der großen Bäume, doch in der dunklen Nacht können wir seinen
Sitzplatz nicht ausmachen. Flatternd sausen Fledermäuse ums Haus. Nur ein
leichter Lufthauch verrät, wenn sie sich uns nähern. Wir hören die Bewegung
ihrer Flugarme, die wie die Schirmseide beim Aufspannen vom Knirps in unseren
Ohren klingen.
Plötzlich
schüttelt der Wind die Blätter der Espen. Sie rascheln und flattern in den
Kronen der Bäume. Nur am Wehr ist es noch lauter. Rauschend und brausend fällt
Wasser bei der Schleuse vom See in den Bach hinunter. Glucksend springen die
Fluten weiter über die dicken Steine im Bachbett.
Unser
Ohr nimmt die Geräusche der Nacht intensiv wahr. Die Ohrmuscheln wirken wie
Schalltrichter. Selbst der leise Windhauch, der sie umspielt, ist hörbar.
Aus
der Ferne schallt das Bellen eines Rehbocks herüber. Es klingt heiser, viele
Male kurz hintereinander. Unverwechselbar, es ist weniger laut und dunkel im
Ton als das Gebell des Hofhundes auf der anderen Seite des Sees.
Weit
fliegen sie, die Nachtgeräusche, hin und her und ungestört vom Tageslärm.
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