Montag, 21. Januar 2019

Nachtstille

Ilse
Nachtstille

Der Wind hat sich gelegt. Es scheint mucksmäuschenstill zu sein. Doch unsere Ohren lassen sich nicht täuschen.
Weit entfernt zieht ein Satellit am Himmel geräuschlos seine Bahn. Dann ist ein leichtes Brummen zu hören. Die weit strahlenden Lichter eines Flugzeuges tauchen auf und mit dem Blinken der Positionslichter verschwindet es in der Dunkelheit. Unter unseren Füßen knirscht der Kies. Laut knackend reiben sich die kleinen Steine aneinander. Stille, wenn wir stehen bleiben und in die Nacht lauschen. Ein Brechen von Zweigen verrät, dass jemand im nahen Wald unterwegs ist. Es muss ein großes Tier, vielleicht ein Elch sein, denn jeder Tritt tönt laut und schwer herüber, bis die Schritte in der Ferne verschwinden. Ein lautes Fiepen verrät die Anwesenheit des Käuzchens ganz in der Nähe. Der kleine Vogel hockt in einem der großen Bäume, doch in der dunklen Nacht können wir seinen Sitzplatz nicht ausmachen. Flatternd sausen Fledermäuse ums Haus. Nur ein leichter Lufthauch verrät, wenn sie sich uns nähern. Wir hören die Bewegung ihrer Flugarme, die wie die Schirmseide beim Aufspannen vom Knirps in unseren Ohren klingen.

Plötzlich schüttelt der Wind die Blätter der Espen. Sie rascheln und flattern in den Kronen der Bäume. Nur am Wehr ist es noch lauter. Rauschend und brausend fällt Wasser bei der Schleuse vom See in den Bach hinunter. Glucksend springen die Fluten weiter über die dicken Steine im Bachbett.
Unser Ohr nimmt die Geräusche der Nacht intensiv wahr. Die Ohrmuscheln wirken wie Schalltrichter. Selbst der leise Windhauch, der sie umspielt, ist hörbar.
Aus der Ferne schallt das Bellen eines Rehbocks herüber. Es klingt heiser, viele Male kurz hintereinander. Unverwechselbar, es ist weniger laut und dunkel im Ton als das Gebell des Hofhundes auf der anderen Seite des Sees.
Weit fliegen sie, die Nachtgeräusche, hin und her und ungestört vom Tageslärm.

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