Ilse
Ein Fisch erzählt
Durch
das gute Futterangebot in unserem See wachsen wir tagtäglich. Einer von uns
entdeckt die winzigen Minikrebse, die wir so lieben. Er steuert auf sie zu und
wir alle hinter ihm her. Dann gibt es einen Festschmaus. Mit einem Schluck verschwinden die Tierchen in unserem kleinen
Schlund. Ich muss allerdings aufpassen, dass ich ausreichend von dem Futterangebot
abbekomme und mir die anderen nicht die fetten Bissen vor der Nase
wegschnappen. Dabei passiert schon mal
ein Beinahe-Zusammenstoß. Aber jeder von uns passt auf. Wir verhindern, dass
jemand verletzt wird.
Mit
jedem Tag wachsen unsere Flossen am Bauch und auf dem Rücken, werden kräftiger
und bekommen einen roten Rand. Auf der Schwanzflosse sitzt ein großer blau
leuchtender Fleck, wie ein Auge. Das soll unsere Fressfeinde abschrecken. Meine
Schwanzflosse hat sogar lang ausgezogenene Spitzen. Unter uns Fischen wird
gesagt, das sei das besondere Merkmal der Männchen.
Wenn
wir nicht fressen, jagen wir einander. Es ist unser beliebtes Fangspiel. Viel
Spaß haben wir beim Schwimmen rund um die Wasserpflanzen. Abends sind wir dann
fischmüde.
Bei
Sonnenuntergang suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen, legen unseren Bauch auf
einem Blatt, einem Stück Holz oder einem glatten Stein ab und begeben uns zur
Nachtruhe.
Auf
jeden neuen Tag freue ich mich und auf viele
neue Abenteuer. Meine Mutter habe ich längst aus den Augen verloren. Ihren
Schutz brauche ich nicht mehr. Ich kann allein für mich sorgen.
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