Ursula
Mein Raum, mein
Platz
„Elfeinhalb
Quadratmeter habe ich zur Verfügung“, sagt der Mann im Altenheim, „damit muss
ich auskommen“. Für einen Menschen, der in seinen jüngeren Jahren mit seiner
Familie im eigenen, nach seinen Wünschen erbauten Haus, auf drei Etagen lebte,
ein sehr beengter Platz. Ein paar Quadratmeter kommen noch hinzu. Das eigene
Bad, der Eingangsbereich des Zimmers und die vielen mit anderen Bewohnern
zusammen genutzten Verkehrsflächen. Der Platz zwischen dem bequemen Sessel und
dem Fernsehgerät ist mit zwei Schritten überquert, der PC daneben, eine
Handlänge davon entfernt. Fast alle Dinge des täglichen Lebens sind mit wenigen
Schritten erreichbar.
„Kann man so wirklich leben“, fragt sich der Besucher?
Und das möglicherweise noch viele lange Jahre. In seiner Situation, angewiesen
auf vielfältige tägliche Betreuung, ist die Kleinheit des Platzes eher eine
Hilfe. Das Kleine schafft Geborgenheit und die Beine, die müden, die jede
Bewegung meiden wollen, freuen sich über die geringen Entfernungen. Es mag
sein, dass das späte Alter – die Zeit vor dem Sterben – erneut in die
Beengtheit der vorgeburtlichen Gegebenheiten einfließt. Und dass alles so
richtig ist.
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