Donnerstag, 9. Mai 2019

Mein Raum, mein Platz


Ursula
Mein Raum, mein Platz

„Elfeinhalb Quadratmeter habe ich zur Verfügung“, sagt der Mann im Altenheim, „damit muss ich auskommen“. Für einen Menschen, der in seinen jüngeren Jahren mit seiner Familie im eigenen, nach seinen Wünschen erbauten Haus, auf drei Etagen lebte, ein sehr beengter Platz. Ein paar Quadratmeter kommen noch hinzu. Das eigene Bad, der Eingangsbereich des Zimmers und die vielen mit anderen Bewohnern zusammen genutzten Verkehrsflächen. Der Platz zwischen dem bequemen Sessel und dem Fernsehgerät ist mit zwei Schritten überquert, der PC daneben, eine Handlänge davon entfernt. Fast alle Dinge des täglichen Lebens sind mit wenigen Schritten erreichbar.
„Kann man so wirklich leben“, fragt sich der Besucher? Und das möglicherweise noch viele lange Jahre. In seiner Situation, angewiesen auf vielfältige tägliche Betreuung, ist die Kleinheit des Platzes eher eine Hilfe. Das Kleine schafft Geborgenheit und die Beine, die müden, die jede Bewegung meiden wollen, freuen sich über die geringen Entfernungen. Es mag sein, dass das späte Alter – die Zeit vor dem Sterben – erneut in die Beengtheit der vorgeburtlichen Gegebenheiten einfließt. Und dass alles so richtig ist.

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