Donnerstag, 9. Mai 2019

Magda an der Bus-Haltestelle


Maren
Magda an der Bus-Haltesstelle

Magda kam vom Markt. Ihr Hackenporsche war voll beladen. Sie hatte reichlich eingekauft. Der Deckel ließ sich nur schwer schließen, seitlich ragte noch ein weißgrüner Porree-Stängel aus der Tasche. Sie schaute sich an der Bushaltestelle um und kalkulierte dabei, ob sie den Einstieg in den Bus als erste schaffen würde. Erfahrungsgemäß hielt hier der Bus und genau an dieser Stelle wurde die hintere Tür geöffnet. Sie musste zuerst in den Bus, um den besten Platz zu ergattern. Danach sollten doch andere mit Rollatoren oder Gehwagen kommen. Jetzt stellte sich sogar noch eine Mutter mit einem großen Kinderwagen zu den Wartenden. Na, diese Mütter nehmen sich oft viel heraus, nur weil sie glauben mit ihrer Brut überall Vorrang zu haben. Da hatten sie aber nicht mit Magda gerechnet. Magda stellte sich deutlich an die Kante der Haltestelle, es gab kein Vertun, sie würde sich zuerst durch die Bustür zwängen. Und dann dieser junge Schnösel, wie gut, dass er nur auf sein Handy starrte. So hatte er strategisch schlechtere Karten, in dem Gemenge an vorderer  Stelle zu sein. Magda stellte sich neben ihren Hackenporsche, dadurch hatte sie eine größere Breite zum Agieren. Irgendwie lebte sie auf in diesem täglichen Kampf um den besten Platz. Das war ihr Metier. Heute jedoch gehörte sie zu den Verliererinnen. Der Bus hielt im hinteren Bereich des Busbahnhofes. Magda stolperte in die Richtung. Alle anderen waren vor ihr. Nur mit Hilfe der Mutter und des jungen Mannes konnte sie noch in den Bus gelangen, beide halfen ihr beim Einsteigen und hievten ihre schwere Einkaufstasche hoch. Magda stand eingequetscht und ohne Sitzplatz seitlich der Tür. Durch die Freundlichkeit der Helfenden verlor Magda schnell ihre Garstigkeit. Sie schaute wohlwollend in den Kinderwagen. Der Mutter gratulierte sie zu so einem lieben Baby und bemerkte dabei, dass Mütter es in öffentlichen Verkehrsmitteln oft schwer hätten.

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