Samstag, 25. Mai 2019

Selbstportrait eines Malers – Der Künstler erzählt III


Ulrike
Selbstbildnis nach 5 Jahren

Die Jahre sind vergangen. Ich nähere mich dem 30. Lebensjahr. Ein respektables Alter. Ein Grund, mich nochmals in einem Selbstbildnis zu reflektieren.
Viel ist passiert. Ich war auf Reisen in fremden Ländern. Neue Eindrücke von Landschaften, Farben, Licht und auch Menschen zu gewinnen.
Die Reisen haben mich nachdrücklich gelehrt, dass ich als Mann  mich freier, ungefährdeter bewegen kann. Es ist nicht die Zeit, eine Frau zu sein. Die letzten Zweifel wurden mir genommen durch eine Bekanntschaft mit einem jungen Burschen mit weichen Gesichtszügen, hoher Stimmlage. Mein Verdacht, eine verkleidete junge Frau vor mir zu haben, bestätigte sich nach geraumer Zeit. Wir verbrachten viel Zeit miteinander auf Ausflügen, beim Malen und führten tiefsinnige Gespräche. Rebecca hatte einen unbändigen Freiheitsdrang, den sie nur als Mann ausleben konnte. Sie beneidete mich um meine Möglichkeiten.
Klüger und gereifter kehrte ich nach Jahren in die Heimat zurück.
Drückte sich in meinem früheren Selbstbildnis noch meine tiefe Sehnsucht nach einem anderen ICH aus, so lasse ich mich im aktuellen Bild abgeklärt wirken. Ich habe mich akzeptiert so wie ich bin, habe zu mir gefunden.

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