Gisi
Glück
Training
und nochmals Training. Schweißperlen auf der Stirn. Das Frotteehandtuch war
durchfeuchtet. Es roch nach Schweiß. Dann wollten die Muskeln nicht mehr
mitmachen. Die ersten Krämpfe stellten sich ein. Trainer K. verordnete eine
Pause. Er sprach von „innerlich ruhig werden“. „Du hast alles gegeben. Aber bei
dir ist mehr drin, als du ahnst. Ich spüre und sehe es. Wir haben noch Zeit und
ich überarbeite deinen Trainingsplan.“
Das
waren seine knappen Kommentare, während ich mich am Ende der Übungseinheiten
zunehmend elender fühlte.
Dann,
in der darauffolgenden Trainingsphase, begann K. mit mir zu spielen.
Verschiedene Ballspiele hatte er parat. Mit großen und kleinen Bällen. Ich
empfand mich wie auf einem Spielplatz, aber nicht in der Trainingshalle Nummer 1.
Und dann wurde es noch schöner. Sein Rufen dröhnte durch die Halle. „Fang mich,
lauf mir nur nach. Mit Ball oder ohne. Wirf den Ball auf mich, egal welchen du dir
aussuchst. Lass den Ball einfach rollen!“ Ich folgte K.s Aufforderungen. Wieder begann
der Schweiß zu rinnen.
Langsam
begriff ich. Mit diesen einfachen Bewegungen, sie waren keinem Plan und keinem
Ziel zuzuordnen, lockerte K. in mir etwas, was ich nicht beschreiben konnte.
Worte hatte ich keine für meinen Zustand. Aber, o Wunder: In mir lösten sich
Spannungen, die ich bis dahin nicht gekannt hatte. Mein Herz begann zu
bibbern. Es klopfte mir förmlich bis an den Hals. Und das nicht wegen einer
vermeintlichen Anstrengung. Ich empfand plötzlich bei allen Bewegungen auf der
Trainingsfläche aufsteigende Glücksmomente. K. nahm sie wahr, sah entspannt aus
und freute sich. Er schaffte es, dass mich in den folgenden Trainingseinheiten
der innere Druck nach und nach verließ. Mit seiner Methode, die ich jetzt
zunehmend akzeptierte, ließ er mich alles vergessen, was bislang gewesen war.
Ich bemerkte, dass meine Seele anfing zu schweben. Alles um mich herum vergaß
ich. Ich merkte nicht mehr, dass ich im Olympiastützpunkt hart arbeitete. Ich
blendete völlig aus, dass nebenan in der Halle meine Konkurrentin trainierte.
Woche
für Woche steigerten sich während des Trainings meine Glücksgefühle. Die
Begeisterung meines Trainers nahm ebenso kontinuierlich zu. Seine Protokolle,
die er präzise führte, gaben jetzt andere Ergebnisse her, als noch vor einigen
Wochen.
Aufregung
und Adrenalinschub. K. hatte alles für die Teilnahme der diesjährigen Olympiade
organisiert. Je näher das Ereignis nahte, umso ruhiger wurde K. Ich allerdings
zitterte, spürte zunehmende Adrenalinschübe. Mein Herz war unruhig, obwohl ich
fast schon auf Wolke sieben schwebte.
Manchmal
war ich drauf und dran, doch noch aufzugeben. Denn die Aufregung war groß.
Alles in mir kochte. Nein, niemals aufgeben, egal ob ich als Siegerin oder
Verliererin am Ende der Olympiade dastehen würde. Aufgeben konnte ich mir jetzt
nicht mehr vorstellen.
Der
große Tag nahte. Wir flogen zur Olympiade. Endlich angekommen. Es war spannend
mit all den anderen Sportlern in dem olympischen Dorf und natürlich in der
eigenen Disziplin. Um mich herum bewegten sich viele Konkurrentinnen. Ich
befand mich bei aller Disziplin im Glückstaumel.
Schlussphase.
Endresultat. Ich stand auf dem Treppchen in der Mitte und konnte kaum gerade
stehen. Gold.

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