Sonntag, 6. Oktober 2019

Besuch in der Skulpturenwerkstatt - Die Stockpuppe erzählt


Renate
Die Stockpuppe erzählt

Guten Tag! Sie haben mich vielleicht nicht gleich entdeckt. ich stehe hier oben auf dem Schrank und bin eine weibliche Theater-Spielpuppe, ähnlich einer Marionette. Zwar ohne Fäden, aber mit einem Führungsholzstab, mit dem ich flink bewegt werden kann.
Von meinem Platz aus übersehe ich den ganzen Raum. Hier
ist es sehr lebendig. Wenn die fleißigen Künstler eifrig arbeiten, ist es nie langweilig. Sie haben weißes, leichtes Steinmaterial vor sich und bearbeiten es, bis eine erdachte Form daraus hervorwächst. Ich staune, was die acht Damen kreieren. Tiere, Köpfe, abstrakte Formen, deren Flächen mit eingekerbten Mustern verziert werden. Ich höre das Kratzen und Schleifen mit den verschiedenen Werkzeugen auf den Steinstücken, dabei leise Gespräche. Diese Stunden machen mich immer sehr glücklich.
 Wenn ich wieder alleine mit meinen drei weiteren Kollegen bin, reden wir über alte Zeiten, erinnern uns, wie stolz wir unsere Rollen im Puppentheater spielten und die Kinder vor Begeisterung riefen und klatschten. Diese schönen Zeiten sind leider vorbei. Unser Meister war eines Tages zu alt dafür.
Wir Künstler haben nun diesen schönen Aussichtsplatz gefunden und sind zufrieden, dass wir gepflegt werden und man uns von unten neugierig betrachtet. Der Raum gefällt uns auch. Ein richtiger Werkraum mit einem U-förmigen Tisch und einem Brennofen und zwei großen Schränken. Es herrscht eine warme gemütliche Atmosphäre.
Außerdem stehen auf dem gegenüberliegenden Schrank einige wunderbare bunte, gemalte Bilder, und ab und zu kommt eins hinzu.
Nein, einsam fühle ich mich nicht. Ein schönes Altenteil.

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