Wendula
Coronabericht
Drei Anrufe.
Ich werde gefragt – drei Mal - wie ich mit dieser Situation zurechtkomme.
Ich
kann heute zugeben, dass mich die Einschränkungen ziemlich wenig belasten. Nur
morgens, nach einem meistens langen Schlaf, schleicht sich oft eine Traurigkeit
ein. Da hilft es, wenn die Sonne scheint und ich mir immer wieder sagen kann: Komm, du hast keine Eile,
kein Termin verlangt deine Anwesenheit, nichts ist außer Haus zu erledigen,
keiner wartet auf dich, niemand wird dich besuchen.
Erstmal
kann ich mich im Nachthemd informieren, ob in meinem kleinen Gärtchen die Kamelien-Knospen
Farbe bekennen. Sind alle vier überhaupt noch da? Oder hat das Eichhörnchen
heute vielleicht vegetarisch gefrühstückt? Das würde ich übelnehmen.
Mein
kleines Naturparadies ist der Freudenbringer in diesen Tagen. Und auch als
Konversationsthema und zum Erfahrungsaustausch mit meinen Nachbarn ist er von
größter Wichtigkeit.
Der kleine Haushalt will versorgt sein. Abwaschen in der Schüssel. Mit Argusaugen den Fußboden von Schnipseln, Blättchen und Wollmäusen befreien, aufräumen, alles immer wieder an den gleichen Platz bringen, Müll entsorgen, wobei ich mich immer wieder fragt wieso man so viel Abfall im Einpersonenhaushalt produziert. Dann mal gucken was die Gemüsekiste zum Thema Mittagessen bietet.
Der kleine Haushalt will versorgt sein. Abwaschen in der Schüssel. Mit Argusaugen den Fußboden von Schnipseln, Blättchen und Wollmäusen befreien, aufräumen, alles immer wieder an den gleichen Platz bringen, Müll entsorgen, wobei ich mich immer wieder fragt wieso man so viel Abfall im Einpersonenhaushalt produziert. Dann mal gucken was die Gemüsekiste zum Thema Mittagessen bietet.
Da ja
das Einholen total ausfällt, fehlt auch die Anregung und so greife ich zurück
auf verschrumpelte Rote Bete, keimende Zwiebeln und uralte Süßkartoffeln.
Zwischendurch geht das Telefon. Ich kann mich nicht erinnern, täglich so lange Gespräche gehabt zu haben. Alle haben Zeit. Die erstaunlichsten Leute rufen an - wie nett, wie vertraut und wie liebevoll kann ein Gespräch sein, oder ein E-Mail zur rechten Zeit. Vorausgesetzt, der PC tut das, was man von ihm erwartet, z.B. die Einkaufsliste an meinen Sohn weiter zu geben. Die Lebensmittel sind dann am Freitagnachmittag da, das Highlight der Woche.
Zwischendurch geht das Telefon. Ich kann mich nicht erinnern, täglich so lange Gespräche gehabt zu haben. Alle haben Zeit. Die erstaunlichsten Leute rufen an - wie nett, wie vertraut und wie liebevoll kann ein Gespräch sein, oder ein E-Mail zur rechten Zeit. Vorausgesetzt, der PC tut das, was man von ihm erwartet, z.B. die Einkaufsliste an meinen Sohn weiter zu geben. Die Lebensmittel sind dann am Freitagnachmittag da, das Highlight der Woche.
Vor
der Tür zum Innenhof stehen die Einkäufe, mein Sohn wartet draußen, während ich
eile, um mein Portemonnaie zu suchen.
Wenn
alles in der Küche gelandet ist, beziehe ich auf einem
Hocker Position vor dem Kühlschrank. Ist vielleicht noch ein uralt
Jogurt zu entsorgen? Ein Käserest, der sich nicht mehr reiben lässt,
könnte auch verschwinden, und wo finde ich für alles einen Platz?
Brauche ich wirklich so viel?
Hocker Position vor dem Kühlschrank. Ist vielleicht noch ein uralt
Jogurt zu entsorgen? Ein Käserest, der sich nicht mehr reiben lässt,
könnte auch verschwinden, und wo finde ich für alles einen Platz?
Brauche ich wirklich so viel?
Nun
wird es Zeit zur Körperertüchtigung. 12 Kniebeugen an der Stange im Wintergarten,
dabei nicht vergessen, den Haustürschlüssel dabei zu haben und dann der
tägliche Spaziergang in den Rathenaupark, zur Elbaussicht, zur gigantischen
Magnolie im Philosophenweg oder zum Friedhof um die
jahreszeitlichen Naturwunder zu bestaunen. Wobei mir dieses
Jahr auffällt, dass eine ganz besondere Tulpe, die gerade bei mir
aufblüht, fast auf jedem Grab zu finden ist, leuchtend warmes Rot mit
einem Schuss Creme fraiche - das muss bei Lidl eine Riesenlieferung gewesen
sein!
Der
Gang durch Otttensen bietet momentan allerlei Skurriles. Es wird offensichtlich
ausgemistet: Kisten mit Büchern, Kinderkleidung, Küchenutensilien, Spielzeugreste,
komplette Schankanlagen, auf Müllcontainern ausgestellte Vasen aus Glass,
Porzellan, Steingut - meist schmutzig und fast immer hässlich.
Aber
der Blick geht in alle Richtungen, so entdecke ich zwischen Pflastersteinen
kleine Veilchen und aus einer Steinmauer traut sich eine leuchtend blaue
Perlhyazinthe. Kleine, etwas triste Vorgärten überraschen mit Lerchensporn
und Scharbockskraut – mal beobachten ob im Laufe des Monats auch ausrangierte
Gartengeräte und Fahrräder sowie alte Bretter ihren Weg zum Sperrmüll finden.
Ich erreiche die Ottenser Hauptstraße. Nur wenige Menschen schlendern durch die Fußgängerzone. Viele kleine Läden sind zugehängt, manche haben Zettelchen an ihre Schaufenster geklebt. Mit E-Mail-Adresse und Telefonnummer werben sie um Kundschaft. Ganz stark überträgt sich die Angst und Existenzsorge auf mich, der Betrachterin der etwas verstaubten Auslagen.
Vor dem Eisladen hat sich keine Schlange gebildet. Ich grabe in meiner Hosentasche nach Kleingeld und tatsächlich, genau 1,30 Euro kommt ans Tageslicht. Grade genug für eine Kugel Zitronen-Jogurt-Eis. Eine Bank mit einem Sonnenfleck lädt ein, mit der kleinen orangen Schaufel das Eis ganz langsam zu genießen. Schwerfüßig mache ich mich auf den Weg zum Busbahnhof. Will ich wirklich den Bus nutzen? Ich lasse einen 15er vorbeifahren, zwei Fahrgäste. Beim nächsten ein Fahrgast und ein Fahrrad!
Ich ziehe den Schal vor Mund und Nase und steige ein. Sieben Minuten später bin ich am Ziel. Der Schlüssel ist da, wo er hingehört.
Ich erreiche die Ottenser Hauptstraße. Nur wenige Menschen schlendern durch die Fußgängerzone. Viele kleine Läden sind zugehängt, manche haben Zettelchen an ihre Schaufenster geklebt. Mit E-Mail-Adresse und Telefonnummer werben sie um Kundschaft. Ganz stark überträgt sich die Angst und Existenzsorge auf mich, der Betrachterin der etwas verstaubten Auslagen.
Vor dem Eisladen hat sich keine Schlange gebildet. Ich grabe in meiner Hosentasche nach Kleingeld und tatsächlich, genau 1,30 Euro kommt ans Tageslicht. Grade genug für eine Kugel Zitronen-Jogurt-Eis. Eine Bank mit einem Sonnenfleck lädt ein, mit der kleinen orangen Schaufel das Eis ganz langsam zu genießen. Schwerfüßig mache ich mich auf den Weg zum Busbahnhof. Will ich wirklich den Bus nutzen? Ich lasse einen 15er vorbeifahren, zwei Fahrgäste. Beim nächsten ein Fahrgast und ein Fahrrad!
Ich ziehe den Schal vor Mund und Nase und steige ein. Sieben Minuten später bin ich am Ziel. Der Schlüssel ist da, wo er hingehört.
Die Hände
werden sehr sorgfältig desinfiziert und beim Betreten meiner kleinen Wohnung
spielen die Worte Zuhause und Kuschelnest eine große Rolle. Beim Vorbeigehen am
großen Spiegel im Flur seit Tagen der gleiche Eindruck - ganz oben brauche ich
professionelle Hilfe nämlich Frisör. Und auch ganz unten, Fußpflege. Aber wir
lernen ja gerade Geduld zu haben.
Und abends hänge ich schon wieder vorm Fernseher. Wahre Datenfluten in Sachen Corona werden über den Betrachter ausgeschüttet. Ich will nichts mehr hören und sehen. Vielleicht gibt es etwas Spannendes über Ameisen, Korallen oder Spinnen auf einem der vielen anderen Sender.
Und abends hänge ich schon wieder vorm Fernseher. Wahre Datenfluten in Sachen Corona werden über den Betrachter ausgeschüttet. Ich will nichts mehr hören und sehen. Vielleicht gibt es etwas Spannendes über Ameisen, Korallen oder Spinnen auf einem der vielen anderen Sender.
Aber
heute? Nein! Acht Krimis um 20:15 Uhr zur freien Wahl. Das macht mich wütend!
Bei allem, was in der Welt momentan passiert, muss ich nicht mit
Brutalität und Anleitungen zu Grausamkeiten konfrontiert werden.
Frustriert
verlasse ich meinen Sessel. Ich beende die Vorstellung und lasse nichts mehr
von dieser verrückten Welt in meinen Kopf, sondern trete noch mal auf meine kleine
Terrasse, um nach dem Mond zu gucken. Der sieht aus wie immer. Dann mach ich es
mir mit einem interessanten Buch gemütlich in meinem großen Bett.
Am
nächsten Morgen: Die Sonne scheint schon wieder und die
Kamelien werden kräftig rosa!!!
Kamelien werden kräftig rosa!!!

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