Maren
Richard
M. kauft einen Mundschutz
Richards
Leben verlief in gleichmäßigen Bahnen. Er lebte alleine in seiner mit Kunst
ausgefüllten Vierzimmerwohnung. Er galt als Schöngeist, war dem geschriebenen
Wort sehr verbunden und der Kunst zugetan.
In
diese geordnete und kultivierte Welt trat nun das Virus Covid-19. Dieses rüttelte kaum den Ablauf seines
Alltags durcheinander, da die behördlich angeordneten Kontaktverbote für ihn
keine Einschränkungen bedeuteten.
Seine
sozialen Kontakte fanden vorrangig im kleinen türkischen Laden unweit von
seiner Wohnung statt. Nach dem täglichen Spaziergang im nah gelegenen Park
kaufte er dort seinen täglichen Bedarf an Lebensmittel ein. Das Sortiment
umfasste alles, um die Wünsche von Richard M. zu decken. Mit dem Besitzer des
Laden, Akim H., entwickelte sich üblicherweise ein kleines Gespräch, so auch am 25. April.
Akim
H. informierte Richard darüber, dass er ab dem kommenden Montag einen
Mundschutz zu tragen hätte. Gleichzeitig wies er hilfreich darauf hin, dass es
in der gleichen Straße eine Schneiderei gäbe, wo ein Mundschutz zu erwerben
sei.
Die
Suche nach einer geeigneten Slip-Einlage glich einem Höllenritt. Richard M.
musste sich von der Vorstellung verabschieden, in einem Drogeriemarkt schnell
den gewünschten Artikel zu greifen, an die Kasse zu gehen und den Laden zu
verlassen. Das Angebot der Slip-Einlagen war vielfältig. Es gab
unterschiedliche Größen und Ausführungen; er musste sich damit befassen, um das
richtige Produkt zu finden. Richard M. betrat eine fremde Welt, deren
Vorhandensein er bisher nie geahnt hatte. Die Suche wurde abgekürzt, da eine
freundliche Verkäuferin ihn nach Beschreibung seines Anliegens den Artikel hilfreich
und diskret in den Einkaufskorb legte.
So kam Richard M. unmittelbar mit dem weiten
Feld der Covid-19-Problematik in Kontakt. Er, der die Welt gerne an sich vorbeirauschen
ließ, wurde auf die reale Welt durch eine Slip-Einlage hingewiesen.
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