Ursula
Bleibt zu Hause, ist die Botschaft aus allen Medien. Corona blockiert jeden Verkehr auf der Straße, der Schiene und der Luft. Das Virus soll sich nicht verbreiten und die Pandemie damit verkleinert werden. Das gilt nicht für die 22jährige Ingrid. Sie muss unbedingt nach Genf zu ihrem Freund.
Lange geplant und vorbereitet will sie auf diese Reise nicht verzichten. Nur mit der Bahn ist die schweizerische Stadt zu erreichen. Flugzeuge haben auf dem Hamburger Flughafen nicht mehr ab. Auf Ingrids bunt bemalten Armen treten die Muskeln hervor, so strengt sie das Packen des Rucksacks an. Die Löcher in ihren Ohren bekommen einen größeren Ring und die Schmucksteine in der Nase werden ausgetauscht. Um die Mittagszeit macht sie sich bei heftigem Schneetreiben, orkanischen Winden und Eiseskälte auf zum Bahnhof. Der gebuchte Zug fällt aus. Ingrid wartet auf den nächsten und reist dann schon nicht mehr ganz frohen Mutes ab in Richtung Hannover. In der niedersächsischen Hauptstadt angekommen, erfährt sie, dass ab Hannover in Richtung Süden keine Züge mehr fahren. Die Strecke ist tief verschneit und an vielen Stellen windverweht. Hannover ist Endstation!
Die Bahn stellt freundlicherweise warme Zugabteile zur Verfügung, so dass Ingrid die bevorstehende Nacht wenigstens im Warmen verbringen konnte. Sie hoffte morgen weiter zu kommen in Richtung Süden.
Auch der Frisör strandet auf der Reise nach Italien in Hannover. Sein ruhiges Wesen verhindert innere und äußere Unruhe, er hat es sich auf seinem Warteplatz im abgestellten Zug bequem gemacht, als Ingrid gegenüber Platz nimmt. Sie ist ärgerlich, frustriert und aufgeregt. Sie schimpft, trotzdem ist sie nach kurzer Zeit in fröhlichem Geplauder mit dem Frisör. Am nächsten Vormittag können die Züge weiterfahren und oh Wunder, Ingrid fährt trotz Corona mit neuer schicker Kurzhaarfrisur weiter und erreicht am späten Abend in den warmen Armen des Freundes Genf.
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