Maren
Der Schnellimbiss glich einem Schlachtfeld. Ingrid hatte sich reichlich mit Pommes, Majo und einer Extra Portion Ketchup eingedeckt.Auf dem Weg zu dem einzigen freien Tisch stieß sie ihr Tablett balancierend mit einer anderen Frau zusammen. Auch diese hatte die gleiche Essenswahl getroffen, nur hatte sie gleich eine große Flasche Ketchup vom Tresen mitgenommen.
Bei dem Zusammenstoß zersplitterte die Flasche und machte das rote Meer vollkommen. Es war unbeschreiblich, vor den ersten Schuldzuweisungen schauten beide auf den Boden, noch sprachlos versuchten sie, sich aus der Pfütze zu befreien. Ihre Schuhe, überrot, traten den seitlichen Rückzug an, sie enterten zwei hohe Stühle und begannen die Fassung wieder zu erlangen. Hiermit begann eine üble Beschimpfung, sie ließen nichts aus, stießen Beleidigungen aus, protzten mit ihren Rechtsanwälten, die nie einen Prozess verloren hatten.
Der Besitzer des Imbisses war inzwischen mit Kehrschaufel und Eimer gekommen, er schaffte das Grobe weg. Danach servierte er den beiden immer noch Aufgebrachten eine Tasse Kaffee. Dankbar und erschöpft entspannten sich die Kontrahentinnen. In dem folgenden Gespräch konnten sie ohne toxischen Unterton für sich Regelungen finden.
Ingrid berichtete von ihrer Situation, gleich habe sie ein Vorstellungsgespräch, ihre helle Kleidung war komplett von Ketchup gezeichnet, sie war ratlos. Die andere Frau, die Friseurin Maria, betonte, dass sie eigentlich immer gesund äße. Nur heute war eine Ausnahme. Sonst würde sie niemals in ‚sonne Bude‘ gehen. Sie riet Ingrid, ins nahe Bekleidungsgeschäft zu gehen, dort könne man mit Glück etwas Ansprechendes finden. Aber, beide schauten auf ihre Schuhe, die waren hin. Aus dem anfänglichen Glucksen begann ein Lachen, dass sie nicht mehr kontrollieren konnten.
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