Freitag, 18. Juni 2021

Frauenpower

Sabine

Der Geburtstag von Ingrid war vorbei. Die verblühten, ungeliebten Blumen vom Chef entsorgt und der Alltag konnte wieder weitergehen.

Ingrid hatte Bekanntschaft geschlossen mit einer Krankenschwester namens Bettina, die sie zufällig im Waschhaus der Wohnungsgenossenschaft getroffen hatte. So hatten sie festgestellt, dass sie Nachbarinnen waren und sie wollten ab und zu mal etwas zusammen unternehmen.

Heute Abend wollten sie in den Jazzclub gehen - mit Anhang.

Ingrid hatte eigentlich keinen „Anhang“, aber auf Freddy – einen Sandkastenfreund – konnte sie immer zurückgreifen.

Sie war schon sehr gespannt, wie der „Anhang“ von Bettina aussah.

Sie betrat zusammen mit Freddy den Jazzclub und ging zur Bar, um sich an den für sie reservierten Tisch führen zu lassen.

Aus den Augenwinkeln sah sie, dass ihr Chef das Lokal betrat, Oh nein, dachte Ingrid, der Abend ist ruiniert! Diesen Mistkerl in der Firma ertragen zu müssen, ist eine Sache, aber ihn auch noch in der Freizeit in seiner Arroganz erleben zu müssen, das geht gar nicht!

Doch es kam noch schlimmer! Ihr Chef war nicht allein. Er betrat mit … Bettina zusammen das Lokal! Oh verdammt, war ihr Chef etwa der Anhang von Bettina? Wusste sie denn nicht, dass er verheiratet war?

„Freddy, du musst mir helfen“ flüsterte Ingrid ihrem Freund zu und erklärte ihm die Situation.

Ingrid ging zu den Toiletten und Freddy setzte sich wie verabredet an den reservierten Tisch. „Guten Abend, meine Freundin kommt gleich, sie wollte sich noch etwas frisch machen“ sagte er wie mit Ingrid verabredet.

„Oh, das ist eine gute Idee, dort gehe ich auch hin“ meinte Bettina geistesgegenwärtig und ging zu den Damentoiletten.

Dort wurde sie von Ingrid schon erwartet. Nachdem Ingrid sie über den Familienstand ihres „Anhangs“ aufgeklärt hatte, wurde Bettina wütend.

„Dieser Mistkerl“ schimpfte sie, „am liebsten würde ich ihm einen Denkzettel verpassen!“

„Das kannst du auch“, erwiderte Ingrid, „ich habe einen Plan!“

Während Ingrid in der Damentoilette blieb, holte Bettina sich an der Bar zwei Drinks – mit ordentlich viel Eiswürfeln.

„Hallo Schatz“, sagte sie zuckersüß, „ich habe dir einen Drink besorgt, zur Abkühlung“ und ließ das Getränk mitsamt der vielen Eiswürfel in den Schoß des völlig verdutzten Chefs von Ingrid fließen.

Erhobenen Hauptes verließ Bettina den Jazzclub, Ingrid und Freddy folgten ihr und zu dritt verbrachten sie noch einen ausgelassenen Abend.

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