Freitag, 31. Dezember 2021

Die Wunschkugel

Marlene

Als Marianne nach Hause kam, hing an ihrer Wohnungstür eine kleine, rote Tasche, darin eine Kugel. Sie war ebenfalls rot, hatte eine matte Oberfläche und passte gerade so in ihre Hand. Keine schriftliche Erklärung dazu, nur diese Kugel in der kleinen Tasche. Sie legte sie erstmal beiseite.

Nach einem Telefonat und der Zubereitung ihres Abendessens nahm Marianne die Kugel nochmal in die Hand. Sie schmiegte sich förmlich an, hatte ein angenehmes Gewicht. Das Material war offensichtlich Holz.

Plötzlich bemerkte sie eine Veränderung der Temperatur – die Kugel wurde warm. Was hatte es bloß mit dieser Kugel auf sich? Sie lag so angenehm in der Hand. Täuschte sie sich oder fing sie an zu strahlen? So ein wohliges Gefühl, das sich von der Hand auf den ganzen Körper auszubreiten schien.

Dennoch legte sie die Kugel vorsichtig auf den Tisch. Irgendwie hatte sie das Gefühl mit ihr reden zu können.

Sie wollte das Abendessen aus der Küche holen und sagte: „Warte hier, bin gleich wieder da.“

Im selben Moment stand der Teller hübsch angerichtet vor ihr. Sie erschrak. Was war das? Sie sagte etwas und schon passierte es?

Das wollte sie jetzt genauer wissen. „Ein Glas Wein dazu“, rief sie und schon stand Weißwein in ihrem Glas vor ihr. Marianne schwirrte der Kopf. Gedanken wie: Ich träume, ich spinne, das ist ein Film… Sie kniff sich in den Oberschenkel. Das tat weh, also lebte sie, saß wirklich hier am Tisch und wollte zu Abend essen wie jeden Tag.

Sie ließ es sich schmecken und überlegte, was jetzt zu tun sei. Sollte sie das Erlebnis mit jemandem teilen? Eine Freundin anrufen? Irgendetwas hielt sie davon ab. Was wäre, wenn die Kugel wirklich alle Wünsche erfüllen könnte,

alles was sie in ihre Richtung laut äußerte? Vielleicht auch etwas ganz Großes? Aber erstmal noch kleine Wünsche zur Probe.

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