Evelyne
Die Kehrseite eines normalen Winters
Die
Erinnerungen an den kalten, schrecklichen Winter im Jahr 1946/47 sind
unauslöschlich im Gedächtnis geblieben.
Berlin
lag in Trümmern. Die wenigen Wohnungen, die halbwegs heil geblieben waren, waren
überbelegt. Die Menschen mussten zusammen-rücken und Platz schaffen für
diejenigen, die keine Bleibe mehr hatten. Nach vielem Hin-und Herziehen bekamen
wir eine Wohnung in der Rupprechtstraße 1 zugewiesen. Die regulären Mieter
waren während des Krieges fortgezogen und so gab es Raum für uns. Wir lebten in
den Möbeln und Gegenständen, die die Vorbesitzer dort zurückgelassen hatten.
Unsere neue Behausung war bombenbeschädigt. In der linken Außenecke des
größeren Zimmers gab es einen notdürftig geflickten, mit einem Stück Holz
belegten Fußboden. Von dieser Ecke kam viel Kälte in den Raum, weil auch die
Außenmauer nur behelfsmäßig repariert war.
Statt
Fensterscheiben war Draht-Glas auf die Fensterrahmen genagelt. Der Ersatz machte
das Zimmer zwar hell, doch er dichtete kaum ab, so dass wir schrecklich froren.
Nur am Kachelofen war es schön warm. Alle Bretter vom Dachboden, alles
Brennbare wurde verheizt. Am liebsten saßen wir auf der Ofenbank und wärmten
den Rücken. Doch welche Not! Eines Morgens war auch noch die Wasserleitung
eingefroren. Auch in den Eimern und Schüsseln war alles zu Eis erstarrt. Das
Übelste aber war, dass wir auch die Toilette nicht mehr benutzen konnten.
Als
ehemalige Bewohner einer Luxus-Wohnung mit Heizung und Wasser-versorgung standen
wir ziemlich ratlos vor diesen Ereignissen. Wir mussten unsere Notdurft auf
Eimern verrichten und diese trugen wir dann vier Stockwerke hinunter zum
Entleeren in den Hofgarten. An Klempner und Handwerker, die uns hätten helfen
können, den Zustand zu beenden, fehlte es.
Irgendwann
half uns der Hausmeister und reparierte die geborstene Wasserleitung. Nun wurde
es wieder möglich, ein warmes Wassersüppchen und eine Tasse heißen Tees zu uns
zu nehmen.
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