Waltraud
Nie wieder übers
Eis
Im
sehr kalten Winter 1941/42 war in Sachsen die Elbe zugefroren. Wochen mit Kälte
von minus zwanzig Grad machten es möglich von einem zum anderen Ufer zu laufen.
Diese seltene Gelegenheit wollten wir Nachbarskinder uns nicht entgehen
lassen.
Vor
der Eisenbahnbrücke staute sich das Eis zu bizarr geschichteten Eistürmen. Zwischen
den übereinander liegenden Eisschollen gab es einen markierten Pfad. Der
fest getretene Schnee knirschte unter den Schuhen. Vom Eis kamen merkwürdig
knackende Geräusche.
Ich
dachte an das fließende Wasser unter dem Eis und hatte Angst hinüber zu gehen. Am
liebsten wäre ich umgekehrt, doch ein Feigling wollte ich nicht sein. Deshalb
lief ich besonders schnell ans andere Ufer, sodass ich trotz der großen Kälte
zu schwitzen begann. Der eisige Wind zwickte im Gesicht, Hände und Füße schmerzten
vor Kälte. Der Weg zurück wurde zur Qual. Erschöpft und durchgefroren kam ich
zu Hause an. Vati rieb mir Gesicht, Hände und Füße mit Schnee ab, um die
Durchblutung anzuregen und einer Erkältung vorzubeugen. Nie wieder wollte ich
übers Eis gehen - bis heute war ich nicht auf der zugefrorenen Alster.
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