Mittwoch, 19. März 2014

Die Einschulung



Klaus
Die Einschulung

Sechs Jahre lang habe ich auf diesen Tag gewartet. Ich komme in die Schule.
Meine Familie, das sind meine Eltern und meine beiden Brüder, machen mich schon Wochen vorher wuschig.
„Wenn du erst zur Schule gehst, darfst du dich nicht immer so schmutzig machen!“, ermahnt mich meine Mutter.
„Du musst immer schön aufpassen!“, belehrt mich mein Vater. Mein älterer Bruder gibt mir Tipps: „Melde dich, auch wenn du nicht weißt, was die Lehrerin will!“
Mein kleiner Bruder will meinen fachmännischen Rat: „Und wann darf ich in die Schule gehen?“
Die ganze Zeit steh ich unter Volldampf, das nervt.
Nun ist endlich der große Tag gekommen. Die kleine Familie setzt sich in Bewegung. Blank geputzte Schuhe, kurze Lederhosen, frischgebügeltes Hemd und weiße Kniestrümpfe steigern meine Sonntagslaune.
Stolz werde ich, als man mir den Tornister auf den Rücken hebt. Vor dem Holderbusch stoppen wir und ich muss vor Vaters alter Rollfilmkamera posen. Das Bild kommt in unsere Familienchronik.
Jetzt haben wir den Schulhof erreicht. Der Schulleiter empfängt uns mit einer Liste in der Hand, und dann teilt er mich einer Lehrerin zu. In der Gruppe treffe ich meinen besten Freund wieder und auch Kinder, die ich aus dem Kindergarten kenne.
Die Lehrerin ruft alle Namen auf. Jetzt gehen alle Kinder hinter ihr im Gänsemarsch in die neue Klasse. Jeder von uns bekommt seinen Platz zugewiesen. Ich schaue mich um und betrachte neugierig die Tafel, die Wandbilder und nicht zuletzt auch mein Pult. Großes Interesse habe ich an der Pultklappe und dem eingebauten Tintenfass.
Die Lehrerin gibt jedem Kind ein Schild, auf dem sein Name steht. Aufgeregt reden alle durcheinander. Die Lautstärke im Raum ist ungewohnt für mich. Alle Kinder prüfen den Inhalt ihrer Schultüte und auch den der Federtasche.
Plötzlich die laute Stimme der Lehrerin: „Ich bitte um Ruhe!“ Sie legt den Zeigefinger an den Mund und zischt: „Psssst!“ Sie erklärt uns die ersten Regeln im Schulbetrieb und händigt uns den Stundenplan aus. Dann erklingt das erste Mal für mich die Schulglocke und wir dürfen mit unserer Familie den Heimweg antreten.

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