Donnerstag, 8. Oktober 2015

Zeit-Fee



Maren

Die Sonne blinzelt durch den unteren Spalt des Fensters, den das Rollo nicht bedeckt. Ich erwache und spüre einen Lufthauch. Meine Augen trauen sich nicht, mir anzuvertrauen, was sie sehen. In den staubdurchwirbelten Sonnenstrahlen schwebt ein elfengleiches Wesen, das mich mit sanfter Stimme auffordert, ihm zu folgen. Ungläubig und auch aufgeregt stehe ich auf. Welch schöner Traum zur Morgenstunde! Nein, es ist real, das Wesen sagt, es sei die Zeit-Fee, die mir heute einen unbeschwerten Tag schenken will - den achten Tag der Woche.
Bevor ich darüber nachdenken, geschweige denn, mein Nachthemd  wechseln kann, fliege ich hinter ihr her. Geschlossene Fenster durchschweben wir, ich sehe mein Haus, meine Straße von oben, alles wird kleiner. Eine Leichtigkeit überkommt mich, es ist die  Verwirklichung meines immer wiederkehrenden Traumes, mich einfach in die Lüfte zu erheben, zu fliegen und frei zu sein.
Die Zeit-Fee zeigt mir an dem Tag eine wunderbare Welt, ohne Schwere, ohne Probleme, einfach eine luftige Heiterkeit, schwebend durch Zeit und Raum. Wir werden Gefährten eines Vogelschwarms, ganz weit oben umfängt uns eine grau-weiße weiche Wolke. Hier beginnen die Konturen der Fee sich im Dunst aufzulösen, bis sie ganz verschwinden. Ich wache in meinem Bett wieder auf. Welch wunderbarer Traum, denke ich. Wenn da nicht die zwei Vogelfedern in meinem Haar wären…

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