Mittwoch, 23. Dezember 2015

Das „schräge“ Weihnachtsbüffet



Ilse

Im Nu war der Tisch gedeckt. Die Schüsseln und Teller mit selbstgemachten Leckereien standen in einer Runde. Die Deckel lüfteten sich nach und nach. Alle hatten einen Mordshunger. Jede nahm sich von dem Haufen Geschirr, was sie brauchte. Nur die Bestecke fehlten.
Wozu haben wir unsere Hände? fragte jemand.
Mit spitzen Fingern fischte Maria nach einem Bratling. Jeder konnte sehen, schmutzig machen wollte sie sich ihre Finger nicht. Trotzdem tauchte sie den Kräuterbratling tief in die Fischcreme. Naja, lässt sich essen, tönte es aus ihrem vollen Mund.
Bernharda hatte Schwierigkeiten an die Fischstücke aus dem Salat zu kommen. Ich finde, die Blumen gehören ins Gesteck auf dem Tisch und nicht in die Salatschüssel, räsonierte sie. Dabei schob sie die Zwiebelringe mit dem Daumen beiseite.
Elsa begann das Essen mit dem als Nachtisch deklarierten Zitronenpie. Köstlich, diese Ananastorte, lobte sie in höchsten Tönen. Waren letztes Jahr nicht Orangen auf dem Tortenboden?
In der Küche blubberte und krachte es. Aus dem Automaten kam nicht das heiße Wasser, das den Kaffee brühen sollte, sondern dicke Rauchwolken stiegen auf.
Wir müssen die Feuerwehr rufen, schrie eine der Frauen.
Ach was, konterte eine andere. Nehmen wir den alten Nikolaussack. Der muss genügen, um den Brand zu löschen.
Gesagt, getan. Die Aufregung legte sich und die Runde nahm wieder am Büffet Platz. Der Käse, den Angela mitgebracht hatte, lockte nicht nur die Anwesenden zum Schmaus, sondern weitere schwarze Gäste. Durch das offene Fenster kamen sie geflogen.
Irgendwie bringt die Erderwärmung alles durcheinander, meinte eine der Frauen. Die Fliegen wissen nicht, ob es Sommer oder Winter ist. Am Weihnachtsbüffet hatte ich sie noch nie zu Gast!

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