Samstag, 19. März 2016

Im antiquarischen Buchladen



Marlene

Der Stuhl auf dem ich sitze, ist bequem, lehne mich an die Rückenlehne.
Fühle Halt am Rücken und spüre die Sitzfläche.
Von draußen kommt gedämpft der Verkehrslärm herein. Die Inhaberin des Ladens tippt auf der Tastatur. Es riecht muffig nach altem Papier und Holz.
Meine Schreibschwestern sitzen verteilt auf ihren Stühlen zwischen den Bücherregalen. Alle scheinen sehr konzentriert und lassen ihre Stifte über das Papier tanzen. Von zweien sehe ich nur die Beine aus der Regalnische heraus schauen.
Der ganze Raum ist  längs und quer vollgestellt mit Holzregalen, die angefüllt sind mit Büchern aus dem 19. und sogar aus dem 18.Jahrhundert. So ein Buch, in der Hand zu halten, ist schon ein besonderes Gefühl.
Ich nehme einige aus dem Regal, blättere darin, lese einige Zeilen.
Möchte gern alle zur Seite legen, um später mehr zu darin zu lesen.
Aber Entscheidung ist angesagt. Ich kehre wieder zurück zu dem Buch, was ich als erstes aus dem Regal nahm.

Die Reise nach Deutschland von Adolf Uzarski, übersetzt aus dem Spanischen. Ich lese das Vorwort des Übersetzers - eigentlich möchte ich jetzt nicht schreiben, sondern weiter lesen. Er bezeichnet sich als treudeutschen Patrioten, der niemals „unsere Fehler und Untugenden vor die heldenblauen Augen der Landsleute bringen würde“. 
Aber das schreibt ja nur der Übersetzer Weihnachten 1922, Atlantischer Ozean, 2.Etage. Ich bin beeindruckt von der Wortwahl. Die Blätter des Buches sind gelb, weich und wirken sehr verletzlich. Spüre die Empfindlichkeit beim Umblättern, also vorsichtig.
Ich lese auf Seite 150 die Beschreibung des Ortsnamens „Pforzkirchen“. Die erste Silbe dieses Wortes heißt auf Spanisch “starker Wind, hinter dem nichts ist“.
Das belustigt mich und ich möchte weiter lesen, also kaufe ich das Buch
für acht Euro.

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