Donnerstag, 7. April 2016

Die blaue Bank



Maren
Ich sitze auf der blauen Bank. Die Bank hat durch den langen feuchten Winter gelitten. Mit der Hand fühle ich die aufgesprungene Farbe auf der Sitzfläche. Ich lege ein Kissen auf die schadhafte Stelle und lehne mich entspannt zurück. Im Schilfgürtel vor mir, der Teile des Ufers begrenzt,  höre ich Rauschen. Das Reed reibt aneinander, die Halme werden vom Wind bewegt und gebogen, eine Wassermelodie. Mein kleines Boot liegt still vor mir. Nur wenn ein Schiff vorbeituckert, bewegt es sich sanft durch die entstandenen Wellen. Johannisbeer-Büsche protzen mit schwarzen, roten und gelben reifen Rispen. Die feine Säure der Beeren ist fast zu schmecken.
Jetzt beginnen Blesshühner und Stockenten das Abendkonzert, wobei die Blesshühner durch ihren kurzen stakkato-kehligen Laut den Takt angeben. Der Duft der Fliederbüsche weht aus dem Nachbargarten zu mir herüber. In sämtlichen Rot-, Lila- und Gelbtönen ergießt sich die Abendsonne auf die Wasseroberfläche. Sie färbt auch die hellen Birken und den Ahorn, der sich mit seinem ungezügelten Verbreitungswillen vor dem Schilf selbst eingepflanzt hat. Kanadagänse folgen im Flug dem Flusslauf, sie lassen sich heute nicht auf dem Rasen nieder. Eine große Ruhe ist in mir. Ich genieße die üppige Schönheit des Moments.

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