Ursula
Zuerst
war die Windel da, das Babyjäckchen, die Lure, die kleinen Strümpfe.
Die
Mutter bestimmte. In der Wiege gab es keine Mode, höchstens die Wahl zwischen
rosa und hellblau. Die Kleider des Kleinkindes bestimmte ebenfalls die Mutter,
gelenkt durch das meist magere Familieneinkommen. Häufig selbst genäht, aus
groß mach klein oder schon dreimal weitergereicht. „Ich zieh das nicht an“, gab
es nicht. Das ging so bis zum 14. Lebensjahr, dem Jahr der Konfirmation. Zu
diesem besonderen Ereignis in meinem jungen Leben fertigte die Schneiderin
meine ersten Kleider - aus neuen Stoffen und auf meinen Leib geschneidert - an.
Das
„Schwarze“ hochgeschlossen aus Georgette, mit gekraustem Rock und Stehkragen
zeigte sich nahtlos züchtig. Das Nachmittagskleid aus naturfarbener Seide
schmückte sich mit kostbaren Perlmuttknöpfen und einen Reverskragen. Die
Kleider waren so genäht, dass sie für „alle Gelegenheiten“, möglichst lange
passen sollten. Sie hatten genügend Stoffzugabe im Saum und an den Nähten. Ob
mir das gefiel oder ob das in irgendeiner Weise modisch war, spielte keine
Rolle, schließlich waren die Stoffe das Kostbare und teuer genug.
Das
einzig aufregende an diesem Outfit waren zweifellos die Perlonstrümpfe, die an
diesem Tag zum ersten Mal getragen werden durften. Morgens die Schwarzen, die
schon bei der kleinsten Unachtsamkeit Laufmaschen losschickten und deren Naht
ständig hoffnungslos die Richtung wechselte. Nachmittags kamen die hellen
Strümpfe dran, die an den mageren Beinen fröhlich Wellen schlugen. Da halfen
die kürzesten Strapse nicht.
Wie
sollte ich herausfinden, was mir steht oder gar was modisch ist? Es sollte lange
dauern bis ich lernte, was zu mir passt und was mich vorteilhaft kleidet. Erst mit vielen – oft vergeblichen -
Versuchen erspürte ich die richtigen Schnitte und Farben. Noch heute mühe ich
mich zu erkennen was „in“ ist und bis ich die richtige Erkenntnis habe, ist die
Mode schon wieder „out“. Den eleganten Schick habe ich verpasst.
Heute
steht mir die schlichte einfache Garderobe aus guten Stoffen, aufgewertet mit
bunten Schuhen oder einem verrücktem Tuch.
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