Cordula
„Liegende
in Grün“
Sie wollte sich eine Weile ausruhen. Das
rote Sofa war ihr Lieblingsplatz, drapiert mit Decken und Kissen. Sie nahm ein
Buch zur Hand und las darin eine Weile. Dann kam sie an eine Stelle, die sie
zum Nachdenken zwang, über sich, ihr bisheriges Leben.
Es war nicht gerade warm in diesem Raum und
das beherrschende Grün erhellte auch nicht ihre Stimmung. Nur das rote Sofa
erheiterte sie manchmal, heute allerdings nicht. Sie überlegte, ob das der Sinn
des Lebens sein sollte, hier auf dem Sofa zu liegen und die Zeit totzuschlagen;
es war ja noch nicht einmal warm in diesem Raum. Sie war jung und könnte doch
etwas anderes in ihrem Leben anfangen, als ständig auf irgendetwas zu warten.
Ihr war langweilig und frustriert zugleich.
Nein, so wollte sie nicht weitermachen. Sie
wollte etwas Sinnvolles tun, aber was?
Das Buch gab ihr keine Anregung, lediglich
das Gefühl, dass es so nicht weitergehen könne. Sie wollte mit ihrem Mann
darüber sprechen. Einen Beruf wollte sie erlernen, aber welchen? Ihr Mann würde
wenig begeistert sein, das wusste sie. Es war ja nicht üblich, dass Frauen
eigenständig einen Beruf ausübten, jedenfalls nicht in dieser Zeit. Um 1920 war
man verheiratet, blieb zu Hause und versorgte den Haushalt oder leitete die
Geschicke in einem Haushalt.
Sie überlegte hin und her, studieren wäre
auch nicht schlecht. Die Voraussetzungen dafür hatte sie. Biologie würde ihr
gefallen. Es arbeitete in ihrem Kopf. Leicht würde es nicht werden, sich in
einer männerorientierten Welt zu
behaupten. Der Plan wuchs. Sie hatte jetzt ihr Ziel vor Augen. Dafür wollte sie
kämpfen.
Schreibimpuls:
Liegende Dame in Grün (1919) von Gabriele Münter
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