Ilse
Dezember
Ein
Monat voller Überraschungen. Der Adventskalender bekam in dieser Zeit eine
besondere Bedeutung. Sollte er die Zeit verkürzen? Mir schien sie trotz allem
unendlich lang und nicht zu vergehen bis zum Heiligen Abend.
Das
bunte Pappgebilde hatte auf seiner Vorderseite eine winterliche Szene und hing
an der Wand. Zu sehen war eine Stadt mit wunderschönen Häusern rund um einen
Marktplatz, ganz anders als die zerbombten und noch nicht wieder aufgebauten
Häuser in meiner Umgebung. Buntes Treiben war dort zu sehen, ein
Weihnachtsmarkt mit Karussell bei dem Kinder durch die Luft flogen und ein
Lebkuchenstand, viele Menschen, die durch die Stadt eilten mit Paketen schwer
beladen und eine Kirche mit hohen Fenstern und einem großen Eingangsportal.
Zahlen von 1 bis 24 waren auf Türen und Fenstern verteilt. Bis Weihnachten
durften wir drei Kinder im Wechsel jeden Tag ein Fensterchen oder Türchen mit
dem Datum des Tages öffnen. Was verbarg sich dahinter? Es kamen Sterne, Kerzen,
Engel, Schlitten, Tannenbaum, Lebkuchen, Adventskranz, bunte Pakete, Eisenbahn,
Puppen zum Vorschein.
Die
Zeit regte uns an zu basteln, einen Wunschzettel zu schreiben und uns zu überlegen,
mit welchen Dingen wir unseren Eltern, Tante und Onkel und der Großmutter eine
Freude zum Fest bereiten könnten.
Plötzlich
waren die Puppe und der Teddy verschwunden. Wo waren sie nur geblieben? Die
sind wohl beim Weihnachtsmarkt, hieß es.
Abends
durften wir nicht mehr ins Wohnzimmer kommen. Was passierte dort hinter der
verschlossenen Tür? Es raschelte und knisterte geheimnisvoll. Doch das Rätsel
ließ sich nicht lösen.
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