Loretta
Die Geschichte vom
Weihnachtsmann
Ich
bin in einer Großfamilie aufgewachsen. Es war laut, chaotisch, und – aufregend.
Es war gemütlich, warmherzig, und – eng.
Als
kleines Kind war ich oft der Mittelpunkt und fühlte mich großartig. Als
Erwachsene saß ich in mancher Therapiestunde und
versuchte,
sie wieder loszuwerden.
Aber
es gibt etwas, das meine schwierige Familie so richtig gut hinbekommen hat,
ohne Wenn und Aber. Und zwar die Sache mit dem Weihnachtsmann.
Ich
wusste, dass der Weihnachtsmann immer, ganz bestimmt kommt. Meine Oma sagte: „Der
kommt ja mit Schlitten, mit Rentier davor. Stell schon mal Wasser und Heu vor
die Tür“.
Zwei
Schüsseln wurden mit Wasser und Heu gefüllt. Ich setzte mich dann hinter die
Haustür auf den Treppenabsatz und wartete. Ich
schaute
hinaus und wartete. Ich wartete.
Jemand
rief: „Ist er schon da?“ Nein, die Schüsseln waren noch unberührt. Ich wartete.
Ich wartete und wartete.
Irgendwann
rief meine Oma: „Die Plätzchen sind jetzt im Ofen. Möchtest du die Teigschüssel
leerlöffeln?“ Ich sauste in die Küche – und gab meinen Wachposten hinter der
Haustür auf. Nur ganz kurz.
Dann
hörte ich meine Mutter: „Ich glaube, der Weihnachtsmann war jetzt da!“ Tatsächlich.
Heu und Wasser waren weg, die Schüsseln leer. Ich hatte ihn mal wieder
verpasst! Nächstes Jahr würde mir das nicht passieren. Denn der Weihnachtsmann
kommt ganz bestimmt. Immer.
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