Samstag, 21. Dezember 2019

Die Geschichte vom Weihnachtsmann


Loretta
Die Geschichte vom Weihnachtsmann

Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen. Es war laut, chaotisch, und – aufregend. Es war gemütlich, warmherzig, und – eng.
Als kleines Kind war ich oft der Mittelpunkt und fühlte mich großartig. Als Erwachsene saß ich in mancher Therapiestunde und
versuchte, sie wieder loszuwerden.

Aber es gibt etwas, das meine schwierige Familie so richtig gut hinbekommen hat, ohne Wenn und Aber. Und zwar die Sache mit dem Weihnachtsmann.

Ich wusste, dass der Weihnachtsmann immer, ganz bestimmt kommt. Meine Oma sagte: „Der kommt ja mit Schlitten, mit Rentier davor. Stell schon mal Wasser und Heu vor die Tür“.
Zwei Schüsseln wurden mit Wasser und Heu gefüllt. Ich setzte mich dann hinter die Haustür auf den Treppenabsatz und wartete. Ich
schaute hinaus und wartete. Ich wartete.

Jemand rief: „Ist er schon da?“ Nein, die Schüsseln waren noch unberührt. Ich wartete. Ich wartete und wartete.

Irgendwann rief meine Oma: „Die Plätzchen sind jetzt im Ofen. Möchtest du die Teigschüssel leerlöffeln?“ Ich sauste in die Küche – und gab meinen Wachposten hinter der Haustür auf. Nur ganz kurz.

Dann hörte ich meine Mutter: „Ich glaube, der Weihnachtsmann war jetzt da!“ Tatsächlich. Heu und Wasser waren weg, die Schüsseln leer. Ich hatte ihn mal wieder verpasst! Nächstes Jahr würde mir das nicht passieren. Denn der Weihnachtsmann kommt ganz bestimmt. Immer.

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