Freitag, 12. Juni 2020

Maikäferflug


Ilse                
Maikäferflug

Abends schwärmen sie aus, die Maikäfer.
Wenn in unserer Stube das Licht brennt, fühlen sie sich angezogen. Plopp-plopp macht es an der Fensterscheibe. Dann schauen wir hinaus, sehen sie fliegen. Oft liegt schon einer oder ein zweiter auf dem Rücken vor der Tür vom Nachbarhaus. Das Licht der Hausbeleuchtung war ihr Ziel.
Das ist ihnen nicht gut bekommen. Nun strampeln sie mit den Beinen oder liegen ermattet da. Aus dieser Lage können sie ihren schweren Körper nicht drehen. Kein Halt, kein Blatt, kein Zweig in der Nähe, um sich Unterstützung zu holen. Zeit, sie zu retten.
Wir machen uns auf den Weg. Auch vor unserer Tür liegt ein Krabbeltier. An unserem ausgestreckten Finger klammert es sich fest, findet Halt und lässt sich ins Grün tragen. Sofort kann der Käfer nicht davonfliegen. Er muss sich erst aufpumpen, um abheben zu können. Wir können ihn in Ruhe betrachten und sehen, ist es ein Weibchen, ein Männchen? 
Die Erkennungsmerkmale sind die Größe der Fühler, das schmale oder beim Weibchen das breite Hinterteil und die weißen Flecken unterhalb der Flügeldecken, die beim Männchen größer und farblich intensiv weiß sind.
Zwei haben wir ins Haus geholt. Ein Glas, wie in Kinderzeiten, wird ihr Domizil für die Nacht, um die Käfer in Ruhe anzuschauen und am Morgen bei Tageslicht ein Foto zu machen. Dafür setzen wir sie auf die Treppe im Garten. Sie machen sich gleich auf den Weg ins Grün.
Es muss verlockend duften, so zielstrebig wie sie darauf zusteuern. Irgendwann sind sie verschwunden. Am nächsten Abend wiederholt sich das Spiel, der Maikäferflug. Bis zu den Eisheiligen. Die Temperaturen sinken massiv. Regen fällt und Graupelschauer prasseln vom Himmel. Käfer sind nicht zu sehen. Ist der Flug der großen braunen Käfer vorbei oder lassen sie sich in diesem Jahr noch einmal beobachten?

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