Sonntag, 12. Dezember 2021

Marmor, Stein und Eisen bricht

Loretta

Ja, es gibt sie. Diese Brückengeländer mitten in großen Städten, wo Paare zum Zeichen ihrer Verbundenheit und Liebe Vorhänge-Schlösser hinterlassen dicht an dicht, zentnerweise.

Was soll das eigentlich sein? Ist das die moderne Variante von „wir haben ein Herz in einen Baum geritzt“ mit unseren Vornamen oder deren Anfangsbuchstaben, gleich einem manifesten Schwur unser tief empfunden Liebe und ewigen Treue? Wobei das mit dem Baum ja noch eine gewisse Romantik hat und an Sehnsüchte und Herzenswünsche glauben lässt.

Aber diese Massen von Schlössern! Wer macht so etwas? Diejenigen, die auch an Klo-Wände schreiben „Kilroy was here“ (Männer-Klo) oder Damen-Klo „Heinzi bumst Chantal“?

Und wie geht die Geschichte weiter? Geht einer von beiden nach Tagen, Wochen, Jahren wieder vorbei und sammelt das Schloss wieder ein, was eine gewisse Ernsthaftigkeit voraussetzen würde, weil sich die Beziehung erledigt hat. Oder verteilt man munter Schlösser weltweit zum Symbol der jeweiligen Reisepartnerschaft.

Und hat die Stadt eigentlich die Hoheit über den Verbleib der Metallwaren, und wenn der allerletzte freie Platz auf der Brücke besetzt wurde, erscheint eines Nachts ein Sondermüll-Räumkommando und knackt die Schlösser und lädt sie auf Lastwagen, die zu einem großen Schmelzofen fahren. Dort verflüssigt sich der konfiszierte Stahl, fließt in die Presse einer Firma, und heraus kommen neue Schlösser, die wieder im Handel landen.

Das Geld, das die Stadt auf diese Weise einnimmt, wandert in den Sektor „Sonderzuwendungen für alleinerziehende Mütter und Väter“.

 


 

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